Krebsdiagnostik aus dem Computer

Bei diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen sind die Heilungschancen trotz moderner Therapieansätze deutlich geringer. Die Behandlung beider Lymphom-Erkrankungen ist unterschiedlich, eine präzise Abgrenzung der verschiedenen Formen ist für eine erfolgreiche Behandlung daher unerlässlich. Nach den bisherigen Kriterien war die Unterscheidung zwischen Burkitt-Lymphom und diffus großzelligem B-Zell-Lymphom in vielen Fällen allerdings nicht möglich.

Daher förderte die Deutsche Krebshilfe ein Projekt, an dem waren Wissenschaftler aus siebzehn verschiedenen Arbeitsgruppen beteiligt waren, unter ihnen Bioinformatiker des Max-Planck-Instituts für molekulare Genetik. Ihnen ist es gelungen, eine das Burkitt-Lymphom von dem morphologisch verwandten diffus großzelligen B-Zell-Lymphom molekular abzugrenzen.

Die Forscher untersuchten die Aktivität von über 17.000 Genen in Gewebeproben von insgesamt 220 Patienten mit aggressivem Lymphknotenkrebs. Mittels mathematischer Methoden fanden die Wissenschaftler ein Muster in der Aktivität von insgesamt 56 Genen, welches eine eindeutige Diagnose des Burkitt- Lymphoms ermöglicht. Dies gelang auch in zahlreichen Fällen, die mit herkömmlichen Mitteln bislang nicht als Burkitt-Lymphome identifiziert werden konnten. Die Forscher ergänzen dadurch die bislang gültige WHO- Definition des Burkitt-Lymphoms und eröffnen gleichzeitig einen bislang nicht vorhandenen Weg zur Diagnose dieser Erkrankung.

"Wir hoffen, dass mathematische Ansätze bei der WHO-Definition bestimmter Erkrankungen künftig stärker zum Tragen kommen", so Rainer Spang, Leiter der Arbeitsgruppe "Computational Diagnostics" am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. "Erst durch die enge Verbindung klinischer und mathematischer Ansätze kann es gelingen, alle Ergebnisse der Genomforschung zu Gunsten der Patienten in anwendbares medizinisches Wissen umzusetzen."

COMPAMED.de; Quelle: Max-Planck-Institut für molekulare Genetik