Krankenhaushygiene: "Die Sauberkeit medizintechnischer Produkte bleibt ein Thema"

Interview mit Julia Steckeler, Projektleiterin "CleanMed –Kompetenznetzwerk für technische Sauberkeit, Reinigbarkeit und Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik"

Hygiene ist für die Medizintechnik von großer Wichtigkeit. Unsaubere Implantate oder chirurgisches Besteck, das sich nur schwer reinigen lässt, sind nicht nur für Anwender und Patienten ein Problem – auf lange Sicht verlieren Herstellerfirmen ihren guten Ruf und Aufträge.

01.09.2015

Foto: Julia Steckeler

Julia Steckeler von der MedicalMountains AG. Die Clusterorganisation aus Tuttlingen leitet das neue Projekt; © Julia Steckeler

Das Netzwerk "CleanMed –Kompetenznetzwerk für technische Sauberkeit, Reinigbarkeit und Sterilisierbarkeit in der Medizintechnik" will diese Probleme anpacken. COMPAMED.de sprach mit Julia Steckeler von MedicalMountains zum Thema.

Frau Steckeler, mit welchem Ziel wurde CleanMed gegründet?

Julia Steckeler: Ziel des Kompetenznetzwerks CleanMed ist es, neue Prozesse und Dienstleistungen zu entwickeln, bei denen Medizinprodukte hergestellt werden, die nahezu frei von Fertigungsrückständen sind. Des Weiteren sollen neue Produkte entwickelt werden, die verbesserte Reinigungseigenschaften sowohl in der Produktion als auch im Einsatz beim Anwender aufweisen. Die Vision ist, die technische Sauberkeit, Reinigungsfähigkeit, Sterilisierbarkeit und saubere Handhabung medizintechnischer Produkte auf ein neues dringend notwendiges Niveau zu heben. Gemeinsam soll ein maßgeblicher Standard für Reinheit in der Medizintechnik definiert, etabliert und stetig fortgeschrieben werden.

Warum braucht es eine Verbesserung der Herstellungs- und Reinigungsbedingungen von Medizinprodukten?

Steckeler: Die Produkte in der Medizintechnikbranche und ihre Herstellungsverfahren müssen so ausgelegt sein, dass das Infektionsrisiko für Patienten, Anwender und Dritte ausgeschlossen oder soweit wie möglich verringert wird. Trotz aller Bemühungen und Fortschritte bleibt die Sauberkeit medizintechnischer Produkte ein Thema, da es immer wieder zu Problemen gekommen ist.

Welche Punkte sind Ihnen besonders wichtig?

Steckeler: Der Ansatz von CleanMed setzt bei der Konstruktion und Materialauswahl und damit vor dem eigentlichen Produktionsprozess an, um dann die gesamte Gebrauchskette bis hin zur Entsorgung zu optimieren. Diese Aufgabe ist so umfassend, dass man nicht von einzelnen Punkten sprechen kann, die einem besonders wichtig sind. Jedes Subprojekt bestimmt in gewisser Weise die Qualität der anderen Subprojekte mit.
Foto: Ein Mann und eine Frau im OP sowie OP-Besteck

Verschmutztes chirurgisches Besteck gab es in der Vergangenheit immer mal wieder. Sowohl die Hersteller dieser Instrumente als Firmen für Sterilisationsgeräte versuchen deshalb Wege zu finden Verunreinigungen zu vermeiden; © panthermedia.net/Meike Gabrielczyk

Welche Firmen beteiligen sich?

Steckeler: Derzeit bringen 24 Netzwerkpartner ihre breit gefächerten Kompetenzen ein. Das Netzwerk ist breit aufgestellt und umfasst sowohl die klassischen Hersteller von medizintechnischen Instrumenten und Implantaten, Entwicklungsdienstleister, als auch Hersteller von Reinigungsanlagen und Reinigungsmitteln. Expertise aus dem Kunststoffbereich bringt das Kunststoff-Institut Südwest (KISW) ein. Mit dem Naturwissenschaftlichen und Medizinischen Institut an der Universität Tübingen (NMI) sowie dem Fraunhofer IPA sind außerdem renommierte Adressen für technische Sauberkeit aus der Forschung vertreten.

Welche Voraussetzungen müssen Firmen erfüllen, um dem Netzwerk beitreten zu können?

Steckeler: Dem vernetzten Denken aller derzeitigen CleanMed Partner folgend steht das Projekt neuen Partnern mit technischer Expertise in diesem Bereich jederzeit offen. Generell freuen wir uns über Partner, die ihre Kompetenzen im Netzwerk teilen möchten, um gemeinsam Entwicklungen schneller und mit der Aussicht auf ein qualitativ hochwertiges Ergebnis umzusetzen. Alle Netzwerkpartner eint das Wissen, angesichts der Komplexität der Aufgabe, das Ziel nur gemeinsam erreichen zu können.

Welche Schritte sind für die nächsten Monate geplant?

Steckeler: Das Kompetenznetzwerk CleanMed zählt zu den ausgewählten Netzwerkprojekten des bundesweiten Programms "Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand" und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Derzeit befinden wir uns in Phase 1 des Projektes. Dem Ansatz entsprechend, Entwicklungs- und Optimierungspotenziale in Bezug auf Reinheit über den gesamten Prozess-Zyklus zu realisieren, wurden in fünf identifizierten Hauptthemenfelder die ersten acht Subprojekte definiert, die entweder bereits gestartet sind oder im Laufe der nächsten Monate starten. Weitere Themenstellungen sind jederzeit denkbar und werden aufgrund der umfassenden Komplexität der Aufgabe auch sicher folgen. Gerne möchten wir im Frühjahr 2016 in Phase 2 der Förderung durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie übergehen. Erklärtes Ziel und gemeinsamer Anspruch ist es jedoch, mit CleanMed auch über die Förderung hinaus ein führendes Kompetenzzentrum für Reinheit in der Medizintechnik aufzubauen.

Foto: Simone Ernst; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview führte Simone Ernst.
COMPAMED.de