Kleber mit Bestand


Wie jedes andere Operationsbesteck muss auch das Endoskop nach jeder OP sterilisiert werden. Dazu wird es rapide auf 134 Grad Celsius erhitzt und anschließend schnell abgekühlt. Dieses Vorgehen beansprucht das Material erheblich: Die Optik des Endoskops besteht aus mehreren hintereinander geklebten Linsen, die einen Durchmesser von weniger als zwei Millimetern haben.

Erhitzt man die Optik, dehnen sich die Linsen unterschiedlich stark aus - es entstehen Spannungen in der Klebschicht, die mit fünf bis zehn Mikrometern dünner ist als ein menschliches Haar. Die Klebung kann sich ablösen, Blasen und Flecken sind die Folge: Sie verfälschen das Bild und irritieren den Arzt. Diese Probleme treten zum Teil bereits nach zehn Sterilisationen auf, obwohl die meisten Geräte etwa tausend Zyklen durchhalten sollten.

Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen haben den Klebprozess nun so optimiert, dass die Klebstoffschichten die Temperaturschocks ohne Schäden überstehen. Die Forscher fanden heraus, dass sich Klebstoffe besonders gut eignen, die mit ultraviolettem Licht und danach mit Wärme gehärtet werden.

"Darüber hinaus haben wir den ganzen klebtechnischen Prozess verbessert", sagt Dr. Thomas Gesang, Spezialist für Mikrokleben am IFAM. "Die Klebstoffe müssen zwei unterschiedlichen Belastungen standhalten: Zum einen inneren Spannungen, die beim Härten des Klebstoffs entstehen, zum anderen äußeren, die etwa durch den Temperaturschock beim Sterilisieren auftreten. Wir haben den Härtungssprozess der Schichten so optimiert, dass weniger innere Spannungen auftreten. So hält die Schicht stärkeren äußeren Belastungen stand."

Die Optimierungsarbeiten umfassten die Abstimmung von UV- und thermischer Härtung sowie die Auswahl geeigneter Klebstoffe. Außerdem ist es bei der Härtung des Klebstoffs durch UV-Licht vorteilhaft, wenn das Licht an jedem Punkt gleich intensiv ist - nur so bleibt die Schicht homogen und spannungsarm.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft