Klare Sicht aufs Baby

Mediziner der Universität Bonn pumpten bei solchen Eingriffen Kohlendioxid in die Gebärmutter und legten die ungeborenen Patienten so kurzzeitig trocken. In ihrer Studie berichten die Ärzte von 37 ungeborenen Kindern, die sie mit dieser Methode erstmals operiert haben. Lediglich einmal sei es dabei zu Komplikationen gekommen. "In fast allen Fällen hätten wir ohne Einleitung von Kohlendioxid nicht operieren können", erklärt der Fetalchirurg Professor Thomas Kohl. "Die Sicht auf das Operationsfeld war einfach zu sehr getrübt."

Bei Bauchspiegelungen hatte man ursprünglich mit ähnlichen Problemen zu kämpfen; dort ist die Kohlendioxid-Methode daher schon lange üblich. In der vorgeburtlichen Medizin galt aber lange Zeit das Paradigma, der Fötus dürfe möglichst nicht trocken fallen. "Unsere noch jungen Erfahrungen mit der Methode lassen vermuten, dass die Gaseinleitung keinen Schaden anrichtet", sagt Kohl. Die mitunter praktizierte Alternative, vor dem Eingriff das Fruchtwasser auszutauschen, wird damit unnötig. Ohnehin ist ein solcher Austausch trotz des hohen Aufwands oft genug nicht von Erfolg gekrönt.

Die Kohlendioxid-Auffüllung der Fruchthöhle, "partial amniotic carbon dioxide insufflation" (abgekürzt PACI) getauft, wird nur bei technisch sehr schwierigen minimal-invasiven Eingriffen angewendet. Über wenige Millimeter große Operationsröhrchen gelangen die Ärzte dabei durch Bauch- und Gebärmutterwand der Mutter in die Fruchthöhle. Durch die Röhrchen wird das Ungeborene dann operiert.

Derartige minimal invasive fetalchirurgische Eingriffe werden zum Teil in lokaler Betäubung, zum Teil in Vollnarkose ausgeführt. Sie belasten Mutter und Ungeborenes viel weniger als die so genannte "offene Fetalchirurgie". Bei dieser Methode öffnen die Chirurgen Mutterbauch und Gebärmutter komplett.

COMPAMED.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn