Kamera folgt Magnet


Zur Untersuchung von Speiseröhre und Magen eignet sich die Kamera bisher wenig. Der Grund: Für den Weg durch die Speiseröhre braucht die Kamera nur etwa drei bis vier Sekunden - pro Sekunde macht sie zwei bis vier Bilder - und im Magen plumpst sie durch ihr Gewicht von etwa fünf Gramm recht schnell auf die untere Magenwand. Sie ist also zu schnell, um verwertbare Bilder zu liefern.

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Biomedizinische Technik (IBMT) haben nun erstmalig ein Steuerungssystem für die Kamerapille entwickelt. "Künftig können Ärzte die Kamera in der Speiseröhre stoppen, sie rauf- und runterbewegen, drehen und so den Blickwinkel der Kamera gezielt einstellen", sagt Doktor Frank Volke, Gruppenleiter am IBMT. "So lässt sich der Übergang zwischen Speiseröhre und Magen genau untersuchen: Denn funktioniert die Magenklappe nicht richtig, steigt Magensäure in die Speiseröhre und führt dort zu Sodbrennen und kann langfristig sogar Speiseröhrenkrebs verursachen. Auch die Magenwände können wir nun mit der Kamera gezielt abscannen."

Wie es die Forscher schaffen, die Einmal-Kamera im Körper zu dirigieren, sagt Volke: "Wir haben eine Magnetvorrichtung entwickelt. Sie ist etwa so groß wie eine Tafel Schokolade, der Arzt kann sie daher während der Untersuchung in der Hand halten und am Körper des Patienten auf- und abbewegen. Die Kamera folgt innen präzise dieser Bewegung.“

Die steuerbare Kamerapille ist ähnlich aufgebaut wie ihr Vorgängermodell: Sie besteht aus einer Kamera, einem Sender, der die Bilder an das Empfangsgerät schickt, einer Batterie und mehreren Kaltlichtioden, die wie ein Blitzlicht bei jeder Aufnahme kurz aufblinken.

Einen ersten Praxistest im Menschen hat einer der Prototypen der Kamerapille bereits hinter sich: Im Eigenversuch konnten die Forscher zeigen, dass sich die Kamera für etwa zehn Minuten in der Speiseröhre halten lässt, selbst wenn der Patient aufrecht sitzt.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft