Inland stagniert, Export wächst

Dennoch schafft die MedTech-Branche auch 2012 insgesamt zusätzliche Arbeitsplätze. Das ist das Fazit der Herbstumfrage 2012 des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) im Vorfeld der weltgrößten Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf (14. bis 17. November 2012), an der sich 101 Mitgliedsunternehmen beteiligten. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung stagniert vor allem die Entwicklung im deutschen Markt. Der Export in ausländische Märkte - insbesondere Asien - entwickelt sich dagegen weiterhin sehr gut, so Joachim M. Schmitt vom BVMed.

"Der Standort Deutschland wird zwar nach wie vor überwiegend positiv beurteilt. Es werden aber zunehmend die niedrigen Erstattungspreise und eine innovationsfeindliche Politik der Krankenkassen kritisiert", so Schmitt. Trotz dieser schwierigen wirtschaftlichen Situation bleibt die Medizintechnik-Branche in Deutschland ein Jobmotor. Knapp 60 Prozent der Unternehmen haben Arbeitsplätze geschaffen. Der Gesamtumsatz der produzierenden Medizintechnikunternehmen lag in Deutschland nach Angaben der offiziellen Wirtschaftsstatistik im Jahr 2011 bei 21,4 Milliarden Euro. Insgesamt beschäftigt die Branche in Deutschland über 175.000 Menschen. Schmitt: „Damit leistet die MedTech-Branche nicht nur einen hervorragenden Beitrag zur Patientenversorgung und zur Wirtschaftskraft, sondern ist auch ein Hoffnungsträger für den deutschen Arbeitsmarkt.“

Doktor Meinrad Lugan forderte gegenüber der Politik und der Selbstverwaltung eine stärkere Qualitätsorientierung bei der Versorgung der Patienten mit Produkten und Verfahren der Medizintechnologie. "Wir brauchen einen Wettbewerb um die beste Qualität der medizinischen Versorgung, nicht um den billigsten Preis ohne Rücksicht auf Qualität und Qualifikation", so Lugan. Beim Thema Nutzenbewertung setzt sich der BVMed-Vorsitzende für eine eigene Systematik für Medizinprodukte ein, die nach Risikoklassen und Modifikationsgrad differenziert. Bei der anstehenden Reform des Medizinprodukterechts spricht sich der BVMed für ein Festhalten am bewährten Zulassungssystem und Verbesserungen bei der Überwachung der Hersteller und der Zulassungsstellen (Benannten Stellen) aus.

Rund 70 Prozent der befragten MedTech-Unternehmen rechnen nach der BVMed-Herbstumfrage in diesem Jahr mit einem besseren Umsatzergebnis als 2011. Im Vorjahr waren es noch knapp 80 Prozent. 12 Prozent erwarten einen Umsatzrückgang. Die Erholung nach der Wirtschafts- und Finanzkrise 2010 ist damit wieder deutlich abgeschwächt. Die Eurokrise hinterlässt mit ihren Auswirkungen - beispielsweise höheren Außenständen - deutliche Spuren im deutschen MedTech-Markt.

Diese Tendenz spiegelt sich auch beim Ausblick der Unternehmen auf 2013 wider. Nur 37 Prozent der Unternehmen erwarten im nächsten Jahr ein besseres Geschäftsergebnis. Im Vorjahr lag dieser Wert noch bei 46 Prozent. 20 Prozent der Unternehmen erwarten zurückgehende Umsatzzahlen. Das ist ein deutliches Zeichen dafür, dass der Motor auch in der sonst eher konjunkturabhängigen MedTech-Branche zu stocken beginnt.

COMPAMED.de; Quelle: Bundesverband Medizintechnologie (BVMed)