Individuelle Dosimetrie in der Strahlentherapie

09.09.2015
Foto: Personen vor einem klinischen Linearbeschleuniger

Prof. Rita Engenhart-Cabillic, Prof. Klemens Zink (links) und Mitarbeiter Thilo Seliger diskutieren einen Bestrahlungsplan. Im Hintergrund ein klinischer Linearbeschleuniger für die Strahlentherapie; © TH Mittelhessen

Ein neues Verfahren zur Überwachung der individuellen Strahlendosis in der Krebstherapie entwickelt die TH Mittelhessen.

Leiter des Forschungsprojekts am Gießener Institut für Medizinische Physik und Strahlenschutz ist Prof. Klemens Zink. Kooperationspartner sind Prof. Rita Engenhart-Cabillic, Direktorin der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Philipps-Universität Marburg, und die MedCom Gesellschaft für medizinische Bildverarbeitung in Darmstadt. Das Land Hessen fördert das Vorhaben mit 424.000 Euro.

Fast 500.000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Krebs. Neben Chirurgie und Chemotherapie ist die Strahlentherapie eine der Hauptbehandlungsmethoden. Mehr als die Hälfte aller Tumorpatienten erhält eine solche Behandlung. Ziel ist die Zerstörung der Tumorzellen. Die Nebenwirkungen im gesunden Gewebe sollen so gering wie möglich sein. Wichtig für den Therapieerfolg moderner Bestrahlungstechniken, die hochenergetische Röntgenstrahlen nutzen, ist deshalb, die jeweils im Zielgewebe und den anliegenden Risikoorganen deponierte Dosis noch während der Behandlung zu bestimmen.

Mithilfe der am Bestrahlungsgerät vorhandenen Flachdetektoren messen die Wissenschaftler die während der Bestrahlung aus dem Patienten austretende Dosis. Daraus rekonstruieren sie mittels bestimmter Algorithmen die Dosisverteilung im Patienten. Das Verfahren erlaube es dem Arzt zukünftig, auf Veränderungen des Tumors oder andere anatomische Änderungen des Patienten schnell zu reagieren und die Dosisverteilung in den nachfolgenden Bestrahlungssitzungen anzupassen, erläutert Engenhart-Cabillic. Darüber hinaus erhöhe das System die Sicherheit strahlentherapeutischer Anwendungen. Die neue Software, so Zink, "ermöglicht eine patientenindividuelle Online-Überwachung und damit eine Dosiskontrolle während der Strahlenbehandlung. Dies führt zu einer höheren Patientensicherheit und verspricht bessere Therapieerfolge." Das Programm soll in ein bereits existierendes strahlentherapeutisches Softwarepaket des Kooperationspartners MedCom integriert werden, das schon am Markt etabliert ist.

Das Vorhaben hat ein Gesamtvolumen von 565.000 Euro und läuft bis Mitte 2017. Es wird im Rahmen der Förderlinie 3 der hessischen "Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz" (LOEWE) unterstützt. Damit bezuschusst die Landesregierung Projekte, bei denen Hochschulen mit kleinen und mittleren hessischen Unternehmen zusammenarbeiten.

COMPAMED.de; Quelle: Technische Hochschule Mittelhessen

Mehr über die TH Mittelhessen finden Sie unter: www.th-mittelhessen.de