Krebs: Individualisierte Therapie durch molekulare Bildgebung

19.04.2013
Foto: Chemische Verbindungen

Nuklearmedizin diagnostiziert und therapiert Erkrankungen mithilfe radioaktiver Substanzen; © panther-
media.net/Sebastian Kaulitzki

Trotz der großen wissenschaftlichen Fortschritte über Entstehung und Verlauf von Krebserkrankungen bleiben die therapeutischen Erfolge oft hinter den Erwartungen zurück. Der Grund liegt unter anderem im Fehlen von spezifischen Biomarkern, die den Therapieerfolg individuell vorhersagen können. Hier spielt die Nuklearmedizin eine wichtige Rolle: Sie ist in der Lage, solche Biomarker zu entwickeln.

Eines der großen Ziele der modernen Medizin ist es, eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Behandlung zu bieten. Da sich die Ursachen von Krebserkrankungen zwischen verschiedenen Patienten aber stark unterscheiden können, ist es für eine solche individualisierte Behandlung notwendig, die beim einzelnen Patienten vorliegenden molekularen Veränderungen nachzuweisen. Erst dann können hochspezifische Medikamente eingesetzt und die Erkrankung so ohne gefährliche Nebenwirkungen behandelt werden. Für diese individualisierte molekulare Behandlung spielt die Nuklearmedizin eine Schlüsselrolle. Sie diagnostiziert und therapiert Erkrankungen mithilfe radioaktiver Substanzen (sogenannte Biomarker), die an spezifische molekulare Zielstrukturen wie Rezeptoren, Antigene, Transportproteine und Enzyme binden und so Stoffwechselvorgänge sichtbar machen.

Dies ist möglich, da der Stoffwechsel erkrankter Zellen deutlich von dem gesunder Zellen abweicht. Um die betroffenen Zellen sichtbar machen zu können, werden dem Patienten radioaktiv markierte Substanzen (sogenannte Radiopharmaka) verabreicht. Sie bestehen aus einem radioaktiven Teilchen, dem Radioisotop, und einem weiteren Bestandteil. Dieser bindet an einen bestimmten Zelltyp im Körper und sorgt so dafür, dass das Radioisotop gezielt an die krankhaft veränderten Zellen gelangt. Dadurch kommt es zu einer starken Anreicherung im Tumor bei nur geringer Aufnahme in gesunden Organen.

Ziel des Sonderforschungsbereichs 824 (SFB 824) ist es, die Erfolge von Krebstherapien mithilfe dieser molekularen Bildgebung zu verbessern. Dabei steht die Individualisierung der Therapie bei onkologischen Erkrankungen mittels bildgebender Verfahren im Fokus. Durch die bildliche Darstellung struktureller und biologischer Veränderungen in Tumoren soll eine individuelle, dem jeweiligen biologischen Profil eines Patienten angepasste Krebstherapie entwickelt werden. Die beteiligten Wissenschaftler aus München erforschen dafür neue Methoden der molekularen Bildgebung, die den Erfolg von Krebstherapien für den Einzelnen noch besser voraussagen und die Resultate dieser Therapie bei dem Einzelnen noch besser darstellen können. Durch die Forschung soll es zukünftig nicht nur möglich werden, das Tumorgewebe frühzeitig zu erkennen, auch die Effekte der Therapie sollen anhand der biologischen Signale objektiv und zeitnah erfasst werden können.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.