Gehirn: Implantat sagt epileptische Anfälle voraus

26.04.2013
Foto: Gehirn

Ein Gehirnimplantat soll Epilepsie-Patienten vor Anfällen warnen;
© panthermedia.net/Darius Turek

Ein Gehirnimplantat könnte in der Lage sein, epileptische Anfälle durch das Identifizieren früher Warnzeichen vorherzusagen. Wissenschaftler der University of Melbourne haben die elektrische Aktivität des Gehirns genutzt, um herauszufinden, ob das Anfallsrisiko jeweils hoch, mittel oder niedrig ist.

Die Studie zeigt, dass eine Vorhersage bei einigen Patienten möglich war. Experten kommentieren die Ergebnisse mit vorsichtigem Optimismus. Ein derartiges Gerät könnte den Patienten bei einem drohenden Anfall helfen, für ein sicheres Umfeld zu sorgen. Zusätzlich könnte es auch für das Pflegepersonal von Epilepsie-Patienten von großem Nutzen sein. Schätzungen gehen davon aus, dass weltweit rund 50 Millionen Menschen von Epilepsie betroffen sind.

Das Team um Mark Cook sammelte Daten von der Oberfläche des Gehirns und übermittelte sie an ein weiteres Implantat im Brustkorb. Dieses Gerät übermittelte Daten an ein handgroßes Gerät, das die Wahrscheinlichkeit eines Krampfanfalls erkennt. Tests wurden an drei Spitälern in Australien durchgeführt und durch NeuroVista, den Hersteller, finanziert. Die Ergebnisse waren uneinheitlich. In den ersten vier Monaten wurde das Gehirn überwacht, damit das System die Gehirnwellen eines Patienten vor einem epileptischen Anfall kennenlernen konnte.

Nur acht Patienten erreichten das Stadium, in dem das Gerät aktiviert wurde und sie permanent Informationen über die Wahrscheinlichkeit eines Anfalls erhielten. Bei diesen Patienten lag die Effektivität der Vorhersage zwischen 56 und 100 Prozent. Wird die Wirksamkeit der Technologie bewiesen, so könnte sie laut Cook helfen, den Charakter der Unvorhersehbarkeit dieser Krankheit zu mildern. Die Vorhersage viele Minuten oder gar Stunden vor dem Eintreten könnte entscheidende Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der Patienten haben.

"Damit könnte sich die Art und Weise verändern, wie diese Krankheit behandelt wird“, sagt Cook. „Derzeit verabreichen wir permanent Medikamente, da wir nicht wissen, welche Ereignisse im Krankheitsverlauf eintreten werden. Können wir sie vorhersagen, könnte sich damit auch die Art der entwickelten Medikamente verändern. Kurzfristig einsetzbare Therapien könnten den Patienten helfen, ohne sie den langfristigen Problemen auszusetzen, mit denen sie heute immer wieder konfrontiert sind."

COMPAMED.de; Quelle: University of Melbourne