Hilfe nach Zeckenstich

Jahrelang litt Frau S. an Gelenk- und Kopfschmerzen. Nach einer Odyssee durch die Wartezimmer von Ärzten diagnostizierte ein Mediziner Lyme-Borreliose – eine Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Beim Stich hatte der Parasit die Bakterien eingeschleust, die sich dann im ganzen Körper ausbreiteten. Frau S. ist kein Einzelfall – die Krankheit wird oft zu spät, gar nicht erkannt oder falsch behandelt. Vor allem, wenn die charakteristische Rötung rund um die Stichstelle ausbleibt, sind Ärzte ratlos. Unbehandelt kann eine Lyme-Borreliose Rheuma-ähnliche Beschwerden auslösen, Gelenke, Muskeln sowie Nerven schädigen und Organe befallen.

Rechtzeitig entdeckt lässt sie sich gut therapieren. Weisen Patienten krankheitsspezifische Symptome wie die Wanderröte auf, verschreiben Ärzte für einige Wochen Antibiotika. Ist die Krankheit jedoch weit vorgeschritten oder wie im Fall von Frau S. chronisch, lässt sie sich nur noch schwer bekämpfen. Eine zugelassene Therapie zur Prophylaxe liegt derzeit nicht vor, ein Impfstoff gegen die Infektion fehlt. Künftig soll ein neuartiges Gel die Infektion bereits im Keim ersticken: Betroffene müssen es sofort nach dem Zeckenstich lokal auftragen. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI in Leipzig entwickeln das Medikament in Zusammenarbeit mit einer Schweizer Firma und dem Institut für Infektionsmedizin und Zoonosen der LMU München.

„Trägt man das Gel gleich nach dem Entfernen der Zecke an der Stichstelle auf und wartet gar nicht erst eventuelle Symptome ab, könnte die Lyme-Borreliose verhindert werden. Denn die Bakterien halten sich die ersten Tage um die Zeckenstichstelle auf und breiten sich erst dann aus. Der aktive Wirkstoff des Gels ist Azithromyzin, das sehr effektiv gegen Borrelien wirkt und diese lokal in der Haut abtötet“, sagt Doktor Jens Knauer, Projektleiter am IZI. Im Gegensatz zu anderen Antibiotika sind keine Resistenzen von Borrelienstämmen gegen Azithromyzin bekannt. Ein weiterer Vorteil des Wirkstoffs: Er ist nebenwirkungsarm, belastet den Körper nicht. Außerdem zeichnet er sich durch seine gute Depotwirkung von bis zu fünf Tagen im Gewebe aus. Die Behandlung ist nur dann erfolgreich, wenn das Arzneimittel innerhalb der ersten fünf Tage nach dem Zeckenstich aufgetragen wird.

Die präklinischen Studien wurden bereits erfolgreich abgeschlossen, das Gel war in Untersuchungen selbst fünf Tage nach erfolgtem Zeckenstich bei Mäusen noch wirksam. Die Anwendung ist patentiert. Seit diesem Sommer testen die Forscher das Medikament an Personen mit nachgewiesenen Zeckenstichen in einer klinischen Phase-III-Studie. „Sollten sich die Ergebnisse der präklinischen Untersuchungen an Menschen bestätigen, kann das Gel helfen, die Zahl der Neuinfektionen deutlich zu senken“, sagt der Experte.


COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Institut