Stent: Herzkranzgefäßstütze auf Milchbasis

02.10.2013

Erstmals in Bochum hat die Kardiologische Klinik des Berufsgenossenschaftlichen Universitätsklinikums Bergmannsheil einer Patientin einen neuen Stent implantiert, der auf Basis einer Milchsäureverbindung hergestellt wurde.

Das Material löst sich im Heilungsverlauf auf; erneute Eingriffe an dem geschädigten Herzkranzgefäß können daher im Bedarfsfall erheblich einfacher durchgeführt werden. Der neue Stent wird derzeit nur in ausgewählten Herzzentren in Deutschland angewendet.

„Die Entwicklung von Stents, die sich im Verlauf selbst auflösen und damit die Funktionalität des Herzkranzgefäßes erhalten, schien technisch lange Zeit nicht möglich“, erläutert Prof. Andreas Mügge, Direktor der Kardiologie am Bergmannsheil und St. Josef-Hospital. „Jetzt steht uns erstmals ein Stent aus Polylaktat, also einem Milchprodukt zur Verfügung.“ Der neue Stent wird „wie Frischmilch“ im Kühlschrank aufbewahrt. „Nach seiner Implantation in dem geschädigten Herzkranzgefäß löst er sich in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten wieder auf“, ergänzt Dr. Alexander Lind, Leiter des Katheterlabors im Bergmannsheil.

Gegenüber dem neuen Stenttyp auf Milchsäurebasis verbleiben Metallstents dauerhaft im Körper. Verengt sich das betroffene Herzkranzgefäß erneut, so erschwert der konventionelle Stent einen weiteren Korrektureingriff. Auch Operationen an Herzkranzgefäßen, in denen sich ein Metallstent befindet, stellen für den Herzchirurgen eine Herausforderung dar. „Solche möglichen Folgeprobleme werden mit dem neuen Stenttyp vermieden“, erläutert Lind. Ein weiterer Vorteil ist, dass das betroffene Herzkranzgefäß nach der Auflösung der Gefäßstütze wieder seine normale Funktion aufnehmen kann. „Gerade für jüngere Patienten könnte dieser Stenttyp daher eine neue, schonende Behandlungsoption mit verbesserter Langfristperspektive darstellen“, so der Kardiologe.

Die koronare Herzkrankheit bezeichnet Verengungen der Herzkranzgefäße, die durch Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) hervorgerufen werden. Sie kann zu einem Sauerstoffmangel in Teilen des Herzens führen und äußert sich typischerweise in einem Engegefühl in der Brust (Angina pectoris). Die chronische, fortschreitende Erkrankung kann schlimmstenfalls einen Herzinfarkt oder plötzlichen Herztod auslösen. Sie gilt als die häufigste Todesursache in den westlichen Industrieländern.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum