Gleitsichtbrille im Auge

Foto: Auge, grauer Star

„Dabei handelt es sich um eine OP, bei der gewissermaßen eine Gleitsichtbrille ins Auge implantiert wird“, sagt Professor Rudolf Guthoff, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde an der Universitätsmedizin Rostock, an der das Verfahren ab sofort verfügbar ist.

Bei dieser Operation kommt eine neuartige Linse zum Einsatz, die die alte, eingetrübte Linse ersetzt. „Es handelt sich um eine Multifokallinse, die sich wie eine Gleitsichtbrille intelligent den jeweiligen Bedürfnissen anpasst“, so Guthoff. Ziel sei es, die Betroffenen durch die Operation unabhängig von der Brille zu machen. Der Austausch der Linsen beim Grauen Star sei mittlerweile ein Standardeingriff, so Professor Guthoff weiter. Die neuartigen Kunstlinsen werden allerdings erst seit kurzem verwendet.

„Multifokallinsen werden seit rund 20 Jahren entwickelt. Jetzt haben sie allerdings erst eine Qualität erreicht, dass sie Patienten ohne Bedenken eingesetzt werden können“, sagt Guthoff. An der Augenklinik der Universitätsmedizin Rostock wurde dazu eine interne Verträglichkeitsstudie durchgeführt – mit positiven Ergebnissen. „Wir habe in den vergangenen Jahren Erfahrungen mit diesen Linsen gesammelt und stehen nun gern auch als Ansprechpartner zur Verfügung“, so Guthoff. Dies gelte nicht nur für Patienten: Auch Ärzteweiterbildungen zu diesem Thema werden angeboten.

Hinzu komme, dass von Seiten der Krankenkassen der Einsatz der Multifokallinsen aufgrund ihrer guten Verträglichkeit erleichtert wurde. Durch eine neue Mehrkostenregelung kann der Einsatz der Linsen für die Betroffenen weniger kostenintensiv als bisher gestaltet werden.

Der Graue Star (Katarakt) ist eine der häufigsten Augenerkrankungen, bei der sich die Linse eintrübt und die Sehfähigkeit verschlechtert. Bei der Operation werden meist beidseitig die Linsen entfernt und durch neue Implantate ersetzt. In Deutschland werden jährlich rund 500.000 dieser Eingriffe vorgenommen, weltweit sind es rund 15 Millionen. Allerdings ist gerade in Ländern mit armer Bevölkerung der Graue Star eine häufige Ursache für Erblindung.

COMPAMED.de; Quelle: Universität Rostock