Genaue Diagnose von Hörschäden

Bild: Ärztin untersucht Ohr von Patientem

Prof. Anthony Gummer, Dr. Ernst Dalhoff und Dr. Diana Turcanu von der Sektion Physiologische Akustik und Kommunikation der Universitäts-Hals-, Nasen- und Ohrenklinik Tübingen ist es gelungen, ein innovatives Messverfahren zu etablieren, das mechanische Signale aus der Hörschnecke direkt am Trommelfell misst und entschlüsselt.

Dafür haben die Wissenschaftler ein hochempfindliches Laserinterferometer entwickelt, das Vibrationen von weniger als einem Pikometer auflösen kann. Das entspricht einem Hundertstel des Durchmessers eines Wasserstoffatoms und ist damit um etwa 1000-mal empfindlicher als jedes kommerziell erhältliche Interferometer.

Der Laserstrahl aus dem neu entwickelten Interferometer wird in ein handelsübliches Ohr-Operationsmikroskop eingekoppelt, auf das Trommelfell fokussiert und dort zurück in das Mikroskop und Interferometer reflektiert. Das reflektierte Laserlicht enthält Informationen über die Vibrationsabläufe in der Hörschnecke. Um diese Information entschlüsseln zu können, haben die Wissenschaftler den Schallstimulus derart optimiert, dass die verhältnismäßig schwachen Signale aus der Hörschnecke detektiert und deren Bedeutung interpretiert werden kann.

Das neue Diagnostikverfahren ist von hoher klinischer Bedeutung. Es erlaubt zum Beispiel eine objektive Messung der Hörschwelle, insbesondere bei kleinen Kindern, bei denen klinisch etablierte, audiometrische Verfahren nicht ausreichend aussagekräftig sind. Bei Erwachsenen, besonders im Hochtonbereich, ist eine objektive Schwellenabschätzung in medizinischen und gutachterlichen Zweifelsfällen ebenfalls wertvoll.

Darüber hinaus könnte das neue Interferometer allgemein Verwendung bei optischen Scangeräten finden, bei denen sehr kurze Messzeiten benötigt werden, wie zum Beispiel bei der optischen Kohärenztomographie.


COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Tübingen