Foto: Modell des Orthesenstiefels
Der neue Orthesenstiefel soll
Gehstützen überflüssig machen;
© Fraunhofer IPA

Brüche des Beines werden heutzutage noch genau wie vor 150 Jahren zur Ruhig-stellung mit Gipsverbänden behandelt. Bereits in der Vergangenheit wurde versucht diesen Prozess zu verbessern, jedoch nicht immer mit Erfolg.

Ein natürliches Gehen ist mit den meisten Methoden nur schwer umsetzbar. Aus diesen Gründen werden immer häufiger Orthesenstiefel oder "Walker" eingesetzt, die nicht nur eine bessere Körperreinigung sowie eine Anpassung je nach Schwellzustand des Beines erlauben, sondern auch eine zusätzliche Kompressionstherapie ermöglichen. Um die Gehstabilität zu gewährleisten werden häufig Gehstützen eingesetzt. Damit kann die Belastung im Bruchspalt minimiert und eine frühere Bruchheilung erzielt werden. Dennoch hat der Patient ein Handicap. Ein annähernd normales Gehen oder das Transportieren von Gegenständen ist nicht möglich, da die Hände zum Abstützen an der Unterarmgehstütze benötigt werden.

Um diese Nachteile zu verbessern, entwickelt die Abteilung "Orthopädie und Bewegungssysteme" am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) eine Orthese, die nicht nur das gesamte Körpergewicht aufnehmen kann, um das verletzte Bein zu entlasten, sondern auch der Einsatz von Gehstützen überflüssig wird. Damit kann der Patient seinen gewohnten Tätigkeiten nachgehen, ohne befürchten zu müssen, über seine Gehstützen zu stolpern.

Das System ist so aufgebaut, dass es mit den bereits auf dem Markt befindlichen Orthesenstiefeln kompatibel ist, so dass während des Heilungsprozesses der Belastungsgrad individuell einstellbar ist, bis am Schluss nur noch der Orthesenstiefel benötigt wird.

Der Belastungsgrad wird mittels Kraftsensoren, die sich im Orthesenstiefel befinden aufgezeichnet, so dass der behandelnde Arzt oder Therapeut die jeweilige Belastung einfach auswerten und entsprechend anpassen kann. Dies ist auch für die objektive Bewertung der Versorgungsqualität eine enorme Erleichterung.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA