Notfallmedizin: Ganzkörper-CT erhöht Überlebensrate

26.07.2013
Foto: Patientenversorgung

Versorgung eines schwerstverletzten Patienten mit CT-Unterstützung;
© Klinikum rechts der Isar/Huber-Wagner

Schwerstverletzte haben eine signifikant höhere Überlebensrate, wenn sie während der Schockraumversorgung mittels Ganzkörper-Computertomographie (CT) untersucht werden.

Eine aktuelle multizentrische Auswertung des TraumaRegisters der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) durch die Forschungsgruppe „Polytrauma“ am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München belegt erstmals den positiven Effekt dieser Untersuchungsmethode auf das Überleben von Schwerstverletzten auch im Kreislaufschock.

In enger Kooperation mit Prof. Rolf Lefering vom Institut für Forschung in der operativen Medizin (IFOM), Universität Witten/Herdecke in Köln, wurde das TraumaRegister der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) ausgewertet. Es wurden die Daten von 16.719 schwerverletzten Patienten aus Kliniken in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Belgien und Slowenien analysiert. Die Autoren verglichen die tatsächliche und die erwartete Sterblichkeitsrate von schwerstverletzten Patienten mit und ohne Ganzkörper-Computertomographie. Die Patienten wurden in drei Gruppen aufgeteilt: 1. Patienten mit schwerem Kreislaufschock, 2. Patienten mit moderatem Schock und 3. Patienten ohne Schock. Bei kreislaufstabilen Patienten ist der Nutzen der frühen Ganzkörper-Computertomographie durch die Forschungsgruppe bereits nachgewiesen worden. Die Anwendung der Methode bei kreislaufinstabilen Unfallpatienten wird allerdings von vielen Experten abgelehnt, ohne dass bisher wissenschaftliche Nachweise vorlagen. Es wird hierbei die Ansicht vertreten, dass eine körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen der Halswirbelsäule, des Thorax und des Beckens und eine Sonographie des Abdomens bei Patienten im Schock ausreichend seien und der Einsatz der Ganzkörper-Computertomographie zu erheblichen Zeitverzögerungen bis zur Notfalloperation führe.

9.233 Patienten (55 Prozent) wurden nach Klinikeinlieferung mittels Ganzkörper-CT untersucht. Durchschnittlich dauert es zwischen drei und sechs Minuten, eine solche Untersuchung durchzuführen. 1.821 (11 Prozent) Patienten waren im schweren Schock und 4.280 (26 Prozent) im moderaten Schock. Patienten, die im Schock mittels Ganzkörper-CT diagnostiziert wurden, zeigten signifikant niedrigere Sterblichkeitsraten als zunächst erwartet. Darüber hinaus zeigte auch die risiko-adjustierte Mortalitätsanalyse mittels eines präzisen Vorhersagemodells für die Sterblichkeit auf Basis des RISC-Scores (Revised Injury Severity Classification Score), dass die tatsächliche Sterblichkeit bei schwerverletzten Patienten im Kreislaufschock mit Ganzkörper-Computertomographie signifikant niedriger war als die erwartete, verglichen mit den Patienten, die keine Ganzkörper-Computertomographie erhielten.

Für die Wissenschaftler und Unfallchirurgen ergeben sich neben der Bestätigung ihres bisherigen Vorgehens interessante Hinweise auf die Erstversorgung und Ansatzpunkte für die Anforderungen an Kliniken. Nach den Ergebnissen kommt es zu einer Erhöhung der Überlebenschance von mehr als 25 Prozent. Trotz der vermeintlichen Zeitverzögerung durch die Ganzkörper-CT ermöglicht die Kenntnis des kompletten Verletzungsmusters des Patienten eine lebensrettende zielgerichtete Therapie. Stark blutende Verletzungen können somit exakt lokalisiert und präzise behandelt werden. Diejenige Verletzung, welche zu der instabilen Kreislaufsituation am meisten beiträgt, kann durch diese Art der radiologischen Untersuchung am besten und schnellsten aufgedeckt werden.

COMPAMED.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar der technischen Universität München