Im Herz herrscht Arbeitsteilung: Die rechte Hälfte hält den Lungenkreislauf in Gang. Die linke pumpt dann das mit Sauerstoff angereicherte Blut in den Körper. Erhöht sich der Druck in der linken Herzkammer, kann das eine Herzinsuffizienz anzeigen.

Bislang wird der Druck während einer Koronarangiografie gemessen: Dabei punktiert der Arzt eine Arterie in der Leistengegend und führt dort den Katheter ein. Ein injiziertes Kontrastmittel ermöglicht es ihm, den Weg des Katheters zum Herz am Röntgenschirm zu verfolgen und die Herztätigkeit zu überwachen. Bei dieser Untersuchung liegt der Patient ruhig im Bett, er bewegt sich nicht. Der Druck in der Herzkammer kann nur über die Dauer der Untersuchung gemessen werden.

Aufschlussreicher wären Langzeitmessungen unter verschiedenen Belastungssituationen, wie es ein neuartiges Drucksensorsystem ermöglicht, das vom Duisburger Fraunhofer-Institut für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS entwickelt wurde. Der Drucksensor liefert bis zu 200 Messwerte pro Sekunde. Zum Vergleich: Das Herz eines normal trainierten Erwachsenen schlägt bei extremer Belastung drei bis vier Mal pro Sekunde. „Es lassen sich auch kleinste Herzfehlfunktionen sichtbar machen, die vor allem zu Beginn einer Erkrankung nur sporadisch auftreten“, berichtet Doktor Gerd vom Bögel, Gruppenleiter am IMS.

Der stäbchenförmige, 2 x 10 Millimeter große Sensor wird mithilfe eines Katheters an der Herzwand befestigt. Während der Katheter anschließend gezogen wird, verbleibt der Sensor im Herz. Er liefert – wenn erforderlich – über einen Zeitraum von mehreren Monaten Daten über die Druckverhältnisse. Das allerdings nur auf Anfrage. Er benötigt weder Akku noch Batterie. Eine Leistung von 90 Mikrowatt reicht aus, um den Druck zu messen und die Werte bis zu 40 Zentimeter weit zu senden. Da sich der Sensor mit seiner integrierten Antenne im Herz nur längs ausrichten lässt, muss er seitlich am Brustkorb ausgelesen werden. Um die Dämpfung des Signals durch Knochen, Körpergewebe und -flüssigkeiten so gering wie möglich zu halten, funkt das System im 10-MHz-Bereich. Es steckt in einer biokompatiblen Polymer-Hülle, die Funkwellen passieren lässt.


COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft