Fraunhofer ISST entwickelt Anfallsdetektion bei Epilepsie

17/05/2016

Epilepsie gilt als eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit. Aufgrund der Unvorhersehbarkeit der Anfälle ist sie sowohl für die Betroffenen als auch für Pflegende sehr belastend.

Foto: Tablet PC mit der Aufschrift "Epilepsie", daneben ein Stethoskop

Das ISST erarbeitet eine Infrastruktur zur Vernetzung aller Beteiligten im Therapie- und Pflegeprozess und entwickelt Algorithmen mit zur frühzeitigen Erkennung von epileptischen Anfällen; © panthermedia.net/Zerbor

Mögliche Folgen aus den epileptischen Anfällen können zum Teil schwerwiegende Verletzungen sein, die eine Pflege verkomplizieren. Um einen besseren Schutz der Patienten zu gewährleisten, entwickelt das Fraunhofer ISST in dem Forschungsprojekt EPItect eine alltagstaugliche Methode zur Früherkennung epileptischer Anfälle bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Diese soll dabei helfen, rechtzeitige Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen und dadurch eine Steigerung der Lebensqualität bei Betroffenen und Pflegenden zu erzielen.

Das Fraunhofer ISST, welches für die Entwicklung innovativer informationstechnischer Vernetzungslösungen im Digital Health-Bereich steht, nimmt dabei im Projekt EPItect eine zentrale Funktion ein. "Um die Pläne innerhalb des Projekts realisieren zu können, bedarf es einer grundlegenden Infrastruktur, die allen Datenschutzbestimmungen in höchstem Maße genügt. Gerade im Gesundheitsbereich ist die mobile Weitergabe von medizinischen Daten ein sensibles Thema, dem wir unter anderem durch Einsatz der datenschutzrechtlich abgestimmten Elektronischen FallAkten entgegenkommen", so Salima Houta, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Digital Health-Abteilung am Fraunhofer ISST in Dortmund und Projektkoordinatorin von EPItect. Die Elektronische FallAkte setze auf dezidierte Datenschutz- und Datensicherheitsmechanismen und stelle sicher, dass ausgetauschte Daten nicht ausgespäht oder manipuliert werden können. Im Auftakt-Workshop referierte Houta über die speziellen informationstechnischen Erfordernisse und Bedürfnisse bei der Konzeption der mobilen Endlösungen für Patienten und Pflegende.

Sowohl eine spezielle IN-Ohr-Sensorik als auch eine Vernetzungsinfrastruktur sind die Basiskomponenten für das Projekt EPItect, aus denen heraus verschiedene technische Innovationen zur Unterstützung von Epilepsiepatienten und Pflegenden entwickelt werden sollen. Das Fraunhofer ISST erarbeitet in diesem Rahmen eine IT-Infrastruktur und Endlösungen, womit sich sowohl Patienten als auch professionell und informell Pflegende miteinander vernetzen und Falldaten auf sicherem Wege austauschen können. "Für das Fraunhofer ISST steht der Aufbau behandlungsbezogener Lösungen – hier für die Unterstützung epilepsiekranker Patienten – im Vordergrund. Unter Nutzung einer sicheren, allgemeinen Infrastruktur können medizinische Daten in die Primärsysteme der Kliniken übertragen werden. Diese Lösungen sollen sowohl die Kommunikation in intersektoralen Behandlungen als auch die Kommunikation mit den Patienten IT-gestützt und behandlungskonform optimieren", betont auch Dr. Wolfgang Deiters, Abteilungsleiter des Bereiches Digital Health am Fraunhofer ISST.

Um Unterstützungsleistung speziell für den Patienten zu gewährleisten, entwickelt das Fraunhofer ISST zudem eine Smartphone-App, die in Verbindung zu der IN-Ohr-Sensorik steht: ein Sensor, der in den Gehörgang des Patienten eingesetzt wird und medizinische Werte misst, die bei einem epileptischen Anfall relevant sind. Die App empfängt diese Sensorwerte via Bluetooth, welche kontinuierlich auf das Vorliegen eines epileptischen Anfalls hin analysiert werden – steht ein solcher Fall bevor, werden durch ein Alarmmodul in der App sofort Patient und Pflegende darauf hingewiesen. "Die Biosignalmuster, die auf einen Anfall hinweisen, sowie die entwickelten Algorithmen müssen im Projekt validiert werden. Dazu werden in einem stationären Setting Daten von stationären Patienten erhoben", erklärt Houta. Denn je besser die Anfallserkennung ist, desto schneller können Schutzmaßnahmen ergriffen werden, die den Patienten vor schwerwiegenden Verletzungen bewahren.

Auch seitens der Anwender von EPItect gibt es deutlichen Zuspruch für das Projekt. "Viele Eltern epilepsiekranker Kinder und Jugendlicher haben große Angst vor neuen Anfällen und beobachten daher ihre Kinder sehr genau", berichtet Susanne Fey vom Epilepsie Bundes-Elternverband e.V. "Ein Sensor mit Alarmfunktion wäre eine große Beruhigung und würde nicht nur den Kindern mehr Freiraum ermöglichen, sondern auch für ruhigere Nächte bei Eltern und Kinder sorgen." Betroffene und Pflegende werden durch die technischen Entwicklungen im Rahmen von EPItect langfristig entlastet und gewinnen trotz der Erkrankung einen Großteil an Lebensqualität zurück. Das Projekt EPItect bildet somit einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Patientenautonomie auf dem Pfad der innovativen Medizintechnik. "Wir stehen in der Epileptologie erst am Beginn eines Durchbruchs der mobilen Gesundheitstechnologien und der Telemedizin", so Dr. Rainer Surges, Leitender Oberarzt an der Klinik für Epileptologie des Universitätsklinikums Bonn und Projektkoordinator bei EPItect.

COMPAMED.de; Quelle:  Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST
Mehr über das ISST unter: www.isst.fraunhofer.de