Fraunhofer-App unterstützt den Therapieerfolg

03.12.2014
Foto: Übergewichtige Menschen im Vordergrund ein Smartphone

Hilfe beim Abnehmen: Am Dortmunder Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST haben Forscher eine App entwickelt, die adipösen Patienten bei der Gewichtsreduktion zur Seite steht; © Fraunhofer ISST

Zu viel Zucker, zu viele Kalorien, zu wenig Bewegung: Die Deutschen werden immer dicker – ein Trend, den die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen. Jeder zweite Erwachsene hat demzufolge Übergewicht. In den vergangenen Jahren ist der Anteil Übergewichtiger somit kontinuierlich gestiegen.

Auch die Zahl der Menschen, die unter Fettleibigkeit – in der Fachsprache Adipositas genannt – leiden, nimmt Jahr für Jahr zu. Mediziner befürchten deshalb, dass in Zukunft ernährungsbedingte Erkrankungen, wie Diabetes mellitus Typ 2 oder arterielle Hypertonie, hierzulande massiv zunehmen werden. Diese Sorge scheint begründet, wie eine kürzlich von Demografie-Forschern veröffentlichte Studie zeigt. Nach Berechnungen der Experten vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels könnte bis 2030 insbesondere die Zahl der adipösen über 50-Jährigen um bis zu 80 Prozent steigen.

Gerade angesichts dieser alarmierenden Zahlen sind effiziente Therapiemethoden gefragt, die Betroffene bei der Gewichtsabnahme unterstützen. Besonders nach einem stationären Klinikaufenthalt fällt es Patienten oft schwer, Ratschläge und neu erlernte Verhaltensweisen auch im Alltag umzusetzen. Das jedoch ist für einen langfristigen Behandlungserfolg unabdingbar.

Das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST hat deshalb den Adipositas Begleiter entwickelt – eine Android-basierte App, die Betroffenen als Coach zur Seite steht und ihnen dabei hilft, nach einem stationären Aufenthalt in einer Klinik auch Zuhause erfolgreich weiter Gewicht abzunehmen. Die App vereint nicht nur Lern- und Ratgeberelemente, sondern dient den Patienten zugleich als Tagebuch und Feedbackinstrument.

Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, in Kontakt mit anderen Betroffenen zu treten. So kann der Patient sich unter anderem an wichtige Termine seines Tagesablaufs erinnern lassen, Vitalwerte und subjektive Befindlichkeiten dokumentieren. Zudem kann er sich über die App zum Beispiel auch über Sport- und Selbsthilfekurse in der Region informieren.

Auch die menschliche Betreuung durch Fachpersonal kommt mit dem Adipositas Begleiter nicht zu kurz. Die Besonderheit der App: Sie fungiert nicht nur als Mittler zwischen Patienten und Ärzten, sondern ermöglicht zudem die Verbindung zu telemedizinischen Dienstleistern. Durch diese Funktion können die Patienten jederzeit auch in Kontakt mit einem realen Therapeuten treten und sich medizinisch beraten lassen.

Dass dieses Konzept funktioniert, zeigt die erste Evaluation eines Prototyps des Adipositas-Begleiters: Im Rahmen einer Studie mit der Gelderland-Klinik hat sich die App als erfolgsversprechend in der Behandlung adipöser Patienten erwiesen. Probanden, die an einem speziellen Adipositas-Nachsorge-Programm teilnahmen, erzielten im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikant höhere Gewichtsabnahme in der Phase nach der Entlassung.

In Zukunft soll die App weiterentwickelt und als Medizinprodukt zertifiziert werden. Interessierten Kliniken, Telemedizin-Dienstleistern und anderen Unternehmen stellt das Fraunhofer ISST die App sowie die benötigte IT-Infrastruktur gerne im Rahmen eines Lizenzvertrags zur Verfügung.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST