Forschung zum Schutz des Gesichtsmuskelnervs

"Eine Verletzung dieses Nervs würde erhebliche funktionelle und kosmetische Defizite nach sich ziehen", erläutert Mathias Hofer von der Hals-, Nasen-, Ohrenklinik des Universitätsklinikums Leipzig.

Nach einer klinikinternen Studie unter PD Dr. med. habil. Gero Strauß werden etwa 30 Prozent der Operationszeit darauf verwendet, den Nerv sicher darzustellen. In dieser Zeit ist das Streßniveau für den Operateur deutlich erhöht. Gleichzeitig unterliegt der Patient der Narkosebelastung. Zur Darstellung und Identifikation können bildgebende Verfahren oder auch ein so genanntes EMG verwendet werden - nun wollen die Mediziner beide Systeme zusammenführen.

Beim EMG wird über eine Sonde Strom abgegeben, der den Gesichtsmuskelnerv (Nervus facialis) stimuliert. An der unwillkürlichen Reaktion der Muskulatur etwa des Augenlids kann der Arzt erkennen, dass er den Nerv gefunden hat und wie dessen Verlauf ist. "Auch über bildgebende Verfahren wie die Computertomographie kann der Facialis dargestellt werden", so Hofer. Allerdings kann ein Operateur während eines Eingriffs nicht ständig die Bilder des CT im Blick haben. Hier soll in Zukunft ein Zusammenspiel von EMG und Bilddaten einsetzen.

Die Idee besteht darin, die Stimulationssonde zu navigieren, also ihre Position im Raum zu erfassen. Für die Methode wurde ein so genanntes Phantom des Gesichtsmuskelnervs gebaut und mit zwölf Messpunkten versehen. An Phantom und Sonde sind Tracker-Sterne angebracht, dadurch werden diese für eine Navigationskamera sichtbar. Die Positionen der Sonde und des Patientenmodells im Raum können so von einem chirurgischen Navigationsgerät erfasst werden.

Durch die mit der Sonde ermittelten Daten wird der Nerv im CT nachgezeichnet, und festgestellt, ob eine Korrelation der Position des Nervs mit den Bilddaten gegeben ist. Ziel ist also die Zusammenführung der EMG-Ergebnisse mit den Bilddaten. Zugleich wird dadurch Redundanz erzielt: Zwei Systeme bestätigen unabhängig voneinander die Lage des Nervs.

Eingesetzt werden könnte die Technik laut Hofer in weiteren Bereichen, wo Nerven geschützt werden müssen. Der Einsatz könnte nach einer klinischen Studie innerhalb eines Jahres erfolgen. Für den Patienten würde das Risiko einer Nervenverletzung reduziert, zusätzlich wäre eine wesentlich verkürzte Narkosezeit absehbar. Der Operateur würde bei der Suche nach dem gefährdeten Nerv viel Zeit sparen bei gleichzeitig reduziertem Stressniveau.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Leipzig