Forscher entwickeln Stents einer neuen Generation für die Galle

24.08.2016

Patienten mit schweren Gallenerkrankungen können auf baldige Verbesserungen bei der oft schwierigen Behandlung hoffen. Forscher der Universität Rostock entwickeln neue Stents, die nicht mehr verstopfen: Weg vom Gartenschlauchprinzip der Stents, hin zu intelligenten Konstruktionen mit neuartigen bakterienhemmenden Beschichtungen und Materialien.

Bild: Zwei Frauen im Kittel am Gallenmodell; Copyright: Olaf Specht

Projektleiterin PD Dr. Mareike Warkentin und Doktorandin Carolin Deutsch (v.l.) am Versuchsstand der Modellgalle; © Olaf Specht

"GastroFreeFlow" heißt das Forschungs-Projekt, das das Bundesbildungsministerium mit 1,5 Millionen Euro fördert und in dem neben Wissenschaftlern auch Industriepartner aus Mecklenburg Vorpommern sowie das Rostocker Klinikum Südstadt vereint sind. Die Projektleitung hat PD Dr. Mareike Warkentin vom Lehrstuhl für Werkstoffe für die Medizintechnik der Universität Rostock.

"Dieses Projekt ist vor allem durch die fächerübergreifende Zusammenarbeit so reizvoll für mich", sagt Warkentin. Sie taucht tief ein in eine neue Dimension der Wissenschaft, ist auf der Suche nach neuartigen Lösungen. Das Ziel klar vor Augen: Gallengang-Stents einer neuen Generation mit wesentlich besseren gewebeähnlichen Eigenschaften zu entwickeln, die dann in Mecklenburg-Vorpommern produziert werden.

Die aktuelle Situation: Bei blockierten Gallengängen hilft ein so genannter Stent. Dabei handelt es sich um ein medizinisches Implantat, das in den verstopften Gallengang eingesetzt wird und Patienten auch das Leben rettet. Prof. Hans-Christof Schober, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Rostocker Klinikum Südstadt, benennt als klinischer Partner des Forschungsprojektes das Problem: "Ein großer Nachteil der Stents sei gegenwärtig, dass sie steif sind, den empfindlichen Gallengang reizen, schnell verstopfen und nach spätestens einem halben Jahr erneuert werden müssen". Auch, weil sich sehr schnell an der Oberfläche des winzigen Röhrchens Bakterien ansiedeln. Das Wechseln der Stents sei mit Risiken für Patienten verbunden.

Carolin Deutsch, die in Rostock Maschinenbau studierte gehört ebenfalls zu den Akteuren des Forschungsprojektes. Gegenwärtig wird von ihr ein Modell der Gallenwege aufgebaut, um die neuentwickelten Konstruktionen in einem Langzeitversuch unter Bedingungen wie sie im menschlichen Körper herrschen, zu testen. Ein erstes Patent für "intelligente Stents" ist inzwischen erfolgreich angemeldet. Um Gallengang-Stents einer neuen Generation mit wesentlich besseren Eigenschaften wie eine gallenabweisende Beschichtung entwickeln zu können, schlägt Carolin Deutsch tagtäglich eine Brücke zwischen den Ingenieurswissenschaften und den Life Science-Wissenschaften. 

Prof. Schober setzt viel Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Warnemünder Lehrstuhl Werkstoffe für die Medizintechnik unter Leitung von Prof. Detlef Behrend und dem Center for Life Science Automation unter Leitung von Prof. Kerstin Thurow. Hier wird mit Hochdruck eine neue Materialgruppe, sogenannte Polyurethane (PUR), beforscht. Das Ziel: neue Stents mit differenten Beschichtungen und Formen und differenten Stentöffnungen. "Die Forschung ist von großer klinischer Relevanz", sagt Schober. Und er weiß, wie emsig im Labor der Uni Rostock physikalische Phänomene untersucht werden, Wissenschaftler Testreihen fahren, akribisch prüfen, ob der Stent rund , gewölbt oder glatt sein muss und welche chemischen Zusammensetzungen oder Beschichtungen ganz genau die Lebensdauer entscheidend verlängern.


COMPAMED.de; Quelle: Universität Rostock

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