09.04.2010

IVAM Research

Folgen der Krise für die Mikro- und Nanotechnik waren 2009 unterschiedlich spürbar

Wie nicht anders zu erwarten, hatten auch die Unternehmen der Mikrotechnik, Nanotechnik und Neuen Materialien in Europa im vergangenen Geschäftsjahr mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen. Die Datenerhebung zur wirtschaftlichen Lage der Industrie Ende des Jahres zeigte, dass 2009 von 100%igem Umsatzrückgang bis zu hervorragenden Geschäften alles möglich war.

Insgesamt deckte die Befragung des IVAM Fachverbands für Mikrotechnik für 2009 Umsatzeinbußen, Exportrückgänge und Finanzierungslücken auf. Die Zeichen für 2010 stehen aber auf Entspannung. Aufgrund der steigenden Nachfrage aus dem Halbleitersektor haben einige Betriebe direkt von Kurzarbeit auf Wochenendschichten umgestellt.

Umsatzeinbußen, Auftrags- und Produktionsrückgang und Finanzierungslücken

Die Umsätze sind im Jahr 2009 stärker als im Vorjahr zurückgegangen. Mehr als ein Viertel der Unternehmen vermeldet einen Umsatzrückgang von über 10%. Der Anteil der Unternehmen, die ein starkes Umsatzwachstum von mehr als 10% verzeichnen konnten, ist von 30% (2008) auf 12% (2009) gefallen. Insgesamt erzielten die europäischen Unternehmen der Mikrotechnik, Nanotechnik und Neuen Materialien im Jahr 2009 einen Umsatz von knapp 44 Milliarden Euro. Mehr als drei Viertel (76%) der Unternehmen zeigen für das Jahr 2009 einen Auftragsrückgang an, 63% haben ihre Produktion zurückgefahren. Immerhin konnten die Beschäftigtenzahlen in etwas mehr als der Hälfte der Unternehmen (54%) stabil gehalten werden. Insbesondere den deutschen Unternehmen ist es offenbar mithilfe der Kurzarbeit gelungen, Entlassungen weitgehend zu vermeiden. Insgesamt beschäftigte die Branche in Europa Ende2009 knapp 310.000 Mitarbeiter. Kritisch wird die Lage allmählich im Bezug auf die Unternehmensfinanzierung. Für 2009 konnte kaum ein Unternehmen eine Verbesserung der Finanzierungslage vermelden. Wenn sich die Lage auf den Finanzmärkten, die Bereitschaft der Banken zur Kreditvergabe und die Bereitschaft der Unternehmen, wieder mehr in Forschung und Entwicklung zu investieren, nicht verbessern, könnte die Branche vor einem massiven Wachstumsproblem stehen.

Branche reagiert mit Diversifizierung, Kundenakquise und Personalabbau

Diversifizierung ist die häufigste Reaktion der europäischen Mikro-, Nano- und Material-Unternehmen auf die Wirtschaftskrise, neben verstärkten Anstrengungen bei der Kundengewinnung. Etwa die Hälfte der Unternehmen hat ihr Geschäftsfeld ausgeweitet, davon wiederum 82% durch die Entwicklung neuer Produkte, 55% durch die Erschließung neuer Märkte. Die Unternehmen haben aber auch häufiger als im Vorjahr einschränkende Maßnahmen ergriffen, zum Beispiel Personal abgebaut (39% im Vergleich zu 35% im Vorjahr) oder bei den Investitionen gespart (30% im Vergleich zu 14% im Vorjahr). Gespart wurde im Jahr 2009 auch beim Marketing und bei der Erschließung von Auslandsmärkten.

Exportgeschäft läuft für deutsche Unternehmen Schleppend

Auf den Auslandsmärkten mussten die deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren deutliche Rückgänge hinnehmen. Lag der Anteil der Unternehmen, die mehr als die Hälfte ihres Umsatzes auf Auslandmärkten erwirtschafteten, im Jahr 2004 noch bei über 50%, so waren es 2009 nur noch 33%. Im restlichen Europa erzielten 58% der Unternehmen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes im Exportgeschäft. Für diese Unternehmen ist Deutschland das wichtigste Exportland, während deutsche Unternehmen häufiger nach Übersee, insbesondere Asien exportieren