Erster MRT-fähiger Defibrillator

„Bislang konnte bei Patienten mit einem ICD keine Magnetresonanztomographie-Untersuchung sicher durchgeführt werden, da das starke Magnetfeld des Geräts die Funktion des ICD und der Elektroden dauerhaft schädigen kann“, sagte Professor Johann Bauersachs, Direktor der Klinik für Kardiologie und Angiologie an der MHH. Der Defibrillator Lumax 740 lässt nun aber solche MRT-Untersuchungen zu und ist zudem noch Telemedizin-tauglich.

„Dies sind wichtige Weiterentwicklungen in der immer breiter eingesetzten ICD-Therapie und erhöhen die Sicherheit und Lebensqualität der Patienten“, betont Bauersachs. Die Entwicklung werde dazu führen, dass in einigen Jahren möglicherweise alle elektrisch aktiven Implantate in der Kardiologie MRT-fähig seien.

Patienten mit einer schweren Herzschwäche und Patienten mit überlebtem plötzlichem Herzversagen erhalten neben einer medikamentösen Herzschwächetherapie einen Kardioverter-Defibrillator (ICD) implantiert. „Der operative Eingriff ist heutzutage Standardtherapie“, erläutert Professor Gunnar Klein, Oberarzt in der Klinik für Kardiologie und Angiologie. Die Operation ist komplikationsarm, dauert zwischen 30 und 90 Minuten und wird in lokaler Betäubung durchgeführt.

Der Defibrillator überwacht permanent den Herzrhythmus. Im Fall lebensbedrohlicher, bösartiger Herzrhythmusstörungen, wie zum Beispiel beim sogenannten Kammerflimmern, gibt der Defibrillator einen lebensrettenden Stromstoß ab und bringt somit das Herz der schwerkranken Patienten wieder in Rhythmus „Allerdings ist etwa bei jedem zweiten Patienten, der einen ICD trägt, irgendwann im Laufe des Lebens eine Magnetresonanztomographie notwendig“, sagt Bauersachs, „zum Beispiel zur genaueren Untersuchung des Gehirns, des Rückenmarkes, der Bauchorgane oder der Gelenke.“
Bislang implantierte Defibrillatoren können durch die starken Magnetfelder einer Kernspintomographie dauerhaft geschädigt werden oder schmerzhafte, inadäquaten Stromstößen verursachen.

Die neuste ICD-Generation ist für die meisten MRT-Untersuchungen geprüft und zugelassen. Doch damit nicht genug: „Mit der neusten Gerätegeneration können wir die Herzfunktion jetzt direkt über den ICD messen“ erläutert Klein, „und via Handy werden die Daten direkt zum betreuenden Arzt übertragen.“ Dafür misst das Gerät den Widerstand zwischen einer an der rechten und einer an der linken Herzkammer gelegenen Elektrode und schätzt so die Herzfunktion ab, insbesondere die Menge an geförderter Blutleistung. „Der betreuende Arzt kann gegebenenfalls frühzeitig erkennen, ob bei seinem Patienten eine Verschlechterung der Herzschwäche eingetreten ist, und mit stärkeren Medikamenten oder einer anderen Behandlung frühzeitig gegensteuern,“ so Klein.

COMPAMED.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover (MHH)