Implantate: Einsatz eines regenerativen Bandscheibenverfahrens

03.09.2013
Foto: Nackenschmerzen

Auch im Nacken-Bereich sorgen Bandscheiben-Probleme für Schmerzen; © panthermedia.net/ Wavebreakmedia ltd

Ein neues schonendes Verfahren bei der Behandlung von Bandscheiben-Problemen mit Hilfe von Hydrogel-Implantaten bietet Vorteile gegenüber konservativen Therapien.

Erstmalig in Deutschland hat ein Expertenteam des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, (UKSH) unter der Leitung von Chefarzt Dr. Rainer Kirchner, ein biologisches Implantat aus Hydrogel in die Bandscheiben der Halswirbelsäule eines Patienten eingesetzt. Dieses Hydrogel wurde bereits in der Stammzellforschung erfolgreich erprobt und eignet sich durch seine hohe Elastizität sowie seinen Wassergehalt hervorragend zur Wiederherstellung der Funktion der degenerierten Halswirbelsäule.

Bislang wird bei Versagen konservativer Therapien auf aufwendige operative Verfahren wie die Versteifung der Wirbelsäule oder den Einsatz mechanischer Prothesen zurückgegriffen. Aufgrund der langjährigen Expertise des UKSH in der Behandlung von Bandscheibenvorfällen durch perkutan-minimalinvasive, also sehr schonende Verfahren, entschlossen sich die Spezialisten nach mehrjähriger Forschungsphase zum Einsatz des neuen und schonenden Verfahrens. Im besten Fall ist das Ergebnis die Wiederherstellung der Arbeits- und Sportfähigkeit innerhalb eines Tages. Die Notwendigkeit aufwändiger Operationen kann so hinausgezögert oder gar verhindert werden.

„Bei der Implantation bringen wir das aufbereitete Hydrogel mit einer schmalen Hohlnadel unter Bildverstärkerkontrolle in die betroffene Region ein“, sagt Dr. Kirchner. „Erst hier entfaltet sich das Implantat und wirkt nicht nur als flexibler Dämpfer, sondern unterstützt auch die Regulierung des pH-Wertes. Dies ist wichtig für die Überlebensfähigkeit der Zellen, um eine Ausdehnung der Entzündung einzudämmen.“

Auch wenn der Einsatz an der Lendenwirbelsäule, und nun auch an der Halswirbelsäule, einen wesentlichen Beitrag zur Regeneration schmerzhafter Bandscheiben leisten kann, ist noch zu prüfen, inwieweit das Verfahren auch bei arthrotisch veränderten Zwischenwirbelgelenken zum Einsatz kommen kann. Die Experten am UKSH befinden sich dazu aktuell in der Planungsphase neuer Studien und rechen frühestens in zwei Jahren mit ersten Ergebnissen.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein