Einmal kräftig pusten


"Nun mal kräftig pusten!" Das könnten in Zukunft nicht nur Autofahrer hören, die eines Bier zu viel verdächtigt werden, sondern auch Patienten in der Arztpraxis. Denn das Ziel eines dreijährigen Laserforschungsprojektes der Europäischen Union unter Beteiligung des Laser Zentrums Hannover (LZH) ist es, Krankheiten mittels Atemluft zu diagnostizieren.

"So eine Methode wäre ein Durchbruch in der medizinischen Diagnostik. Sie würde ohne jeglichen Eingriff in den Körper erfolgen und wäre besonders für Säuglinge und Kleinkinder, aber auch für ältere oder sehr kranke Menschen geeignet", erklärt Michael Botts, Diplomingenieur am LZH.

Dabei wollen die Forscher Spurengase in der Atemluft aufspüren, die auf ernsthafte Erkrankungen hinweisen. Da diese Elemente aber nur in winzigen Mengen vorkommen, können sie nur mit einer genauen Lasermessung aufgespürt werden.

Und so entwickelten die Tüftler eine abgeschlossene kleine Kammer, die von einem Laserstrahl durchdrungen wird. Das intensive Licht trifft auf der anderen Seite der Box auf einen Sensor, mit dem das gesamte Lichtspektrum bestimmt wird. Wird nun Atemluft in das Gerät gepustet, absorbieren alle enthaltenen Elemente das Laserlicht in einem bestimmten Spektralbereich. Welche Bereiche das genau sind, das erkennt der Sensor und gibt Rückschlüsse darauf, welche Elemente genau in der Atemluft herumschwirren.

Um diese Vision zu realisieren setzen die beteiligten Forscher auf Arbeitsteilung, so dass sich eine Forschergruppe um Michael Botts darauf konzentriert, einen geeigneten Faserlaser als Pumpquelle zu entwickeln. Die anderen Partner aus den Niederlanden, Großbritannien und Italien beschäftigen sich mit der anderen Seite der Kammer und versuchen eine geeignete Sensortechnik zu entwickeln. Und wenn die Teamarbeit erfolgreich ist, geht dem Patienten in Zukunft allerhöchstens mal die Puste aus.

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