Eine zweite Haut für Venen

Krampfadern sind weit mehr als ein kosmetisches Problem: Wenn die Venenklappen nicht mehr schließen, versackt Blut in die Unterschenkel und kann dort Stauungssymptome, Thrombosen oder sogar offene Beine hervorrufen.

In langjähriger Arbeit haben Bochumer Phlebologen nicht nur eine Venen erhaltende Therapie (Valvuloplastie) zur Perfektion gebracht, sondern auch ein besonderes Gefühl für das verwendete Material entwickelt. Daraus haben sie die "Kriterien für den optimalen Kunststoffmantel" abgeleitet. Mit diesem Wissen konnte aus einem speziellen Polyurethan eine Manschette entwickeln werden, die wichtige Materialansprüche erfüllt und die Anpassung an die Vene vereinfacht.

Das Bochumer Operationsverfahren beruht auf der Reparatur der defekten Venenklappen, die in der aufgeweiteten Vene nicht mehr schließen können. Über einen kleinen Schnitt in der Leistenregion wird die "ausgeleierte" Vene freigelegt, mit dem Kunststoffmantel umhüllt und auf den normalen Durchmesser gebracht. Damit bekommen die in der Vene befindlichen Klappen wieder Kontakt und können die Verschlussfunktion weiter ausüben. Nach Korrektur der Klappen an der Einmündungsstelle der Vena saphena magna in die Oberschenkelvene (Vena femoralis) kann sich auch die Krampfader wieder normalisieren.

Die Krampfadertherapie zielt herkömmlich darauf ab, krankhaft veränderte Venen stillzulegen (zu veröden) oder herauszuoperieren (strippen). Damit entfernt der Operateur quasi das Fallrohr, in dem "verbrauchtes" Blut stehen bleibt und beseitigt so die Stauung. Die Schattenseite dieser Therapiemethode ist, dass Venenmaterial verloren geht, auf das bei Gefäßverschluss am Herzen oder anderen Organen zurückgegriffen werden muss. Gerade bei gefährdeten Patienten, etwa Diabetikern, Patienten mit Bluthochdruck oder Rauchern sollte daher die große Stammvene (Vena saphena magna) erhalten bleiben, sie könnte einmal lebensrettend sein.

COMPAMED.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum