Eine gesündere Zukunft gestalten

08.10.2014
Foto: DNA-Schnelltest

DNA-Schnelltest entwickelt von Christofer Toumazou - Gewinner des European Inventor Award 2014; © EPO

Die Innovationstätigkeit in der Medizintechnik blüht. MEDICA und COMPAMED locken aus diesem Grund jedes Jahr Besucherscharen und eine zunehmende Anzahl von Ausstellern in ihre Hallen. Neue Technologien verbinden die Disziplinen Materialwissenschaft, Elektronik, Ingenieurwissenschaft und Biochemie. Da immer mehr von uns eine längere Lebenserwartung genießen, ergibt sich damit ein immer größeres Potenzial für den Markt für Gesundheitsgeräte.

Hier im Europäischen Patentamt (Englisch: European Patent Office), EPA, sehen wir neue technische Lösungen verpackt in Patentanmeldungen mehrere Monate und teilweise Jahre bevor die Produkte überhaupt auf den Markt kommen. Wir beobachten auch die folgenden Trends: Das Verhalten unserer Antragsteller verändert sich, und unsere Datenbanken helfen den Unternehmen über den eigenen Tellerrand zu schauen, während einige technologische Bereiche nach vorne preschen und andere in den Hintergrund treten.

In unserem Jahresbericht 2013 berichteten wir, dass die größte Anzahl der bei der EPA eingereichten Patentanmeldungen wieder einmal im Bereich der Medizintechnik erfolgten, mit einem Wachstum von 2 Prozent auf 10.668, verglichen mit anderen führenden Bereichen wie beispielsweise die digitale Kommunikation und Computertechnologie, die beide rund 9.000 Anmeldungen im letzten Jahr verzeichneten. Noch drastischer war allerdings im letzten Jahr der fortschreitende Rückgang der Patentanmeldungen im Bereich der Biotechnologie (4 Prozent Rückgang auf 5.381) und der Arzneimittelentwicklung (14 Prozent Rückgang auf 5.396). Was spielt sich dort gerade ab?

Ein Blick auf den 10-Jahres-Trend zeigt, dass Patentaktivitäten in der Biotechnologie und Arzneimittelentwicklung sich schwer tun, mit der Medizintechnik Schritt zu halten. Wenn Patentaktivitäten eine grobe Metrik für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten darstellten, dann wäre anzunehmen, dass Unternehmen der Gesundheitsentwicklung ihren Schwerpunkt in einigen Gebieten bevorzugt auf Hilfsmittel und Geräte – beides für Diagnose- und Therapiezwecke – verlagern, anstatt auf Medikamente oder Biochemie. Das ist auch verständlich angesichts der Kosten, die sich daraus ergeben, ein Medikament auf den Markt zu bringen, verglichen mit den Kosten für die Entwicklung eines neuen Geräts.

Die Unternehmen werden immer kritischer in ihrer Entscheidung in was und wann sie patentieren lassen möchten. Sie müssen sich der Wirtschaftlichkeit einer Erfindung sicher sein, bevor sie tausende von Euros in die Patentanmeldung investieren. Aber wenn sie dies allerdings richtig machen, dann können die Patente Investitionen anlocken, Lizenzverträge festigen und Marktanteile sichern. Ein Rückgang an neuen Patenten in einem bestimmten Bereich ist also nicht unbedingt ein Hinweis auf einen Rückgang der Innovationen, sondern eher ein Aufschluss über einen selektiveren Patentansatz.

 
 
Foto: Implantat

Implantat entwickelt von Serge Cosnier and Philippe Cinquin; © EPO

Das EPA hat seine kostenlosen Online-Datenbanken deutlich transparenter gestaltet, um Unternehmen zu helfen, ihren eigenen Technologiemarkt besser verstehen lernen. Es ist jetzt einfach als je zuvor, die Espacenet Datenbank zu benutzen und beim einfachen Browsen nach den für Sie interessanten Technologien herauszufinden, welche Technologien andere Mitbewerber patentieren lassen oder einfach um neue Technologiepartner, Anbieter und Kunden zu finden. Die Patentdatensammlung des EPA umfasst über 88 Millionen Datensätze aus über 100 Ländern. Patentdaten werden häufig von Forschern übersehen, die sich ausschließlich auf wissenschaftliche Fachzeitschriften konzentrieren – während die neuesten Entwicklungen jedoch in Patenten in Erscheinung treten und nirgendwo sonst!

Wenn Sie eine europäische Patentanmeldung vorfinden, die eine Barriere für Ihre eigenen Pläne darstellt, dann werfen Sie einen genaueren Blick auf deren Status oder Fortschritt im Europäischen Patentregister. Wenn Sie dort eine schwebende Patentanmeldung für eine Technologie sehen, von der Sie nachweisen können, dass sie weder neu noch original ist, dann können Sie eine Überwachung bei der Registerüberwachung beantragen, um die Patentprüfer in ihrer Arbeit zu unterstützen. Und falls Sie in Espacenet ein Dokument in einer englischen Zusammenfassung und Graphiken von Interesse vorfinden, aber der Haupttext ist in einer anderen Fremdsprache – keine Sorge! Der automatische maschinelle Übersetzungsdienst des EPA, Patent Translate, übersetzt 32 Sprachen.

Um ein Patent zu erhalten, bedarf es der vollständigen Offenlegung der Erfindung, auch wenn der Antrag möglicherweise trotz erheblicher Kosten, die über mehrere Jahre verteilt anfallen, abgelehnt werden kann. Um diese Risiken zu minimieren, reichen die meisten Patentbewerber zunächst eine internationale Patentanmeldung ein, um den Großteil der Kosten zweieinhalb Jahre lang aufzuschieben, während sie zwischenzeitlich ihre Erfindung weiterentwickeln und den Markt testen. Die EPA kann hier in mehrfacher Hinsicht Unterstützung bieten.

Die EPA bietet erstens hochwertige Suchergebnisse innerhalb von sechs Monaten ab dem Tag des Antragseingang an und überprüft Dutzende von Datenbanken –technische Berichte und wissenschaftliche Arbeiten sowie alte Patente. Die EPA bietet zweitens einen schriftlichen Bescheid über die Patentierbarkeit der Erfindung, der einen klaren Hinweis auf den voraussichtlichen Erfolg des Antrags bei Versand an andere Patentämter liefert. Drittens, erfolgt eine Änderung des Antrags wegen eines Rechercheberichtes, dann kann die EPA ihn in einem internationalen vorläufigen Prüfungsbericht (IPER) beurteilen und damit weitere Hinweise auf dessen Bewertung geben. Zahlreiche Patentämter auf der ganzen Welt berufen sich auf diesen IPER. All dies verhilft Antragsstellern zu einer starken Position und stattet sie mit den besten Informationen für die Aussichten auf die Erteilung ihres Patents aus, bevor große Investitionen getätigt werden.

 
 
Photo: Christofer Toumazou

Christofer Toumazou - Gewinner des European Inventor Award 2014; © EPO

Helden der Erfindungen

Mit dem alljährlichen Europäischen Erfinderpreis wirft die EPA ein Schlaglicht auf die unbekannten Helden des Forschungslabors, die wegweisende Technologien entdeckt haben. Diese inspirierenden Wissenschaftler und Ingenieure kommen aus allen technischen Disziplinen, und es ist schon erstaunlich, wie viele Durchbrüche in der Medizintechnik, Menschen ohne medizinischen Hintergrund zu verdanken sind. Stattdessen sind es häufig Ingenieure oder interdisziplinäre Teams mit einer Vielfalt an Fähigkeiten, die das Gesundheitswesen vorangebracht haben. Hier sind nur fünf der jüngsten Finalisten oder Gewinner mit ihren erstaunlichen Geschichten.

Christofer Toumazou – Gewinner in 2014, Erfinder des DNA-Schnelltests auf einem USB-Stick.
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Philippe Cinquin & Serge Cosnier - Finalisten in 2014, Erfinder einer implantierbaren Glukosebrennstoffzelle zur ständigen Energiezufuhr z.B. für Herzschrittmacher
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Yves Jongen – Finalist in 2013, Erfinder des Protonentherapiegeräts zur Behandlung von Krebs
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David Gow – Finalist in 2013, Erfinder der i-limb Handprothese
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Josef Bille – Gewinner in 2012, Erfinder der Augenlaserchirurgie
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COMPAMED.de; Quelle: Jeremy Philpott, Europäisches Patentamt

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