Ein verzerrtes Video, das Gehirn und ein EEG

„Die Neurologen, die das EEG hauptsächlich für klinische Anwendungen benutzen, und wir Ingenieure waren bislang weit auseinander“, sagt der Elektrotechniker Wiegand, der im Bereich der Videocodierung forscht.

Bisher verließen sich die Video-Forscher bei der Überprüfung ihrer Entwicklungen auf subjektive Aussagen ihrer Probanden. Diese sollten beurteilen, ob es den Wissenschaftlern gelungen war, Filme möglichst gut zu komprimieren: „Wir entwickelten einen Standard zur Videocodierung, spielten am Ende das Ergebnis vor und fragten, wie sie es gefunden haben“, sagt Wiegand, der mithilfe des EEGs mehr über die Zwischenschritte im Gehirn erfahren möchte: Was genau passiert, wenn Menschen Verzerrungen in Videos wahrnehmen? Wie verarbeiten sie dies, und wie bilden sie sich eine Meinung? „Wenn wir mehr darüber wüssten, könnten wir die Codierung verbessern“, sagt Wiegand.

Um den Vorgängen im Gehirn auf die Spur zu kommen, wurden Probanden Videos vorgespielt, von denen einige verzerrt waren. Per Knopfdruck sollten die Testpersonen angeben, ob sie eine Verzerrung wahrgenommen hatten oder nicht. Gleichzeitig überprüften die Forscher mithilfe von EEG-Elektroden am Kopf, ob und wie dieser qualitative Unterschied auch vom Hirn erkannt und prozessiert wurde. Aus Sicht des Neurologen ist insbesondere der objektive EEG-Nachweis interessant, dass das Hirn bei Video-Verzerrungen teilweise sogar unterhalb der subjektiven Wahrnehmungsschwelle noch etwas zu verarbeiten hat.


COMPAMED.de; Quelle: Technische Universität Berlin