Ein Nagelbrett gegen Implantatinfektionen

Foto: Biofilm von Staphylococcus epidermidis-Bakterien

Chitosin ist eine chemische Verbindung, die in Krabben und Krebsen vorkommt. Laut Forschern der Montana State Universität kann dieser Zucker Mikroben abwehren, die versuchen Wundverbände, Katheter und Implantate zu besiedeln. Wenn Implantate mit dieser Verbindung bedeckt werden, könnte dies laut den Forschern Tausende von bakteriellen- und Hefeinfektionen jährlich vermeiden.

In Laborstudien habe Chitosan Bakterien und Hefepilze abgewehrt. Das beobachtete Dr. Philip Stewart, Direktor des Zentrums für Biofilm Engineering der Monatana State Universität. Dadurch habe die Verbindung erfolgreich verhindert, dass diese Mikroben schleimige, leimartige Schichten aus infektiösen Zellen, einen so genannten Biofilm, bilden. Chitosan war schon seit einiger Zeit für seine antimikrobielle Wirkung bekannt. Nun wurde seine Wirksamkeit gegen Biofilme zum ersten Mal beschrieben.

„Wenn eine Oberfläche mit Chitosan überzogen wird, scheint dies Bakterien und Hefepilze davon abzuhalten, sich dort anzusiedeln“, sagte Stewart. „Chitosan verhält sich ähnlich wie ein Nagelbrett. Wenn eine Mikrobe sich darauf niederlässt, spießt das Chitosan sie auf und lässt sie auslaufen. Das tötet die Mikroben zwar nicht sofort, aber es entmutigt sie sicherlich, sich dort niederzulassen.“

Biofilme können praktisch auf allen Implantaten im Körper entstehen so wie auf künstlichen Herzklappen und Hüften oder Brustimplantaten. Wenn eine Biofilm-Infektion erst einmal Fuß gefasst habe, sei sie nur schwer zu behandeln und oft müsse das Implantat bei einem chirurgischen Eingriff wieder entfernt werden, so Stewart

Nun erhoffen sich die Forscher, dass weitere Versuche an Menschen und Tieren erfolgreich sind. Denn dann könnte man mit Chitosan Implantate überziehen, was eine erste, wichtige Verteidigungslinie gegen Infektionen sein könnte. „Ich möchte nicht behaupten, dass wir das Problem völlig gelöst haben“, sagt er, „aber ich denke in den nächsten zehn Jahren werden wir die Entstehung von neuen Technologien in der Form von Beschichtungen sehen, die das Auftreten von Infektionen verhindern oder zumindest verringern werden.“

MEDICA.de; Quelle: American Chemical Society