Defibrillator: Durch drei Kammern zum richtigen Herzschlag

20.11.2013

Herzschwache Patienten leiden häufig nicht nur unter einer zu geringen, sondern auch an einer unregelmäßigen und dadurch gestörten Pumpfunktion des Herzmuskels. Hier kann jetzt ein neuartiger Defibrillator-Schrittmacher (SM) helfen.

Dieser wurde im Herz- und Diabeteszentrum NRW (HDZ NRW), Bad Oeynhausen, bereits 48 Mal erfolgreich eingesetzt wurde. Unter der Leitung von Prof. Dieter Horstkotte, Direktor der Klinik für Kardiologie im HDZ NRW, trafen sich 20 Mediziner aus ganz Deutschland zum Austausch über das neue Implantat.

Über 500 Patienten weltweit tragen bereits den neuen Defibrillator-SM, dessen Einsatz im Rahmen einer vom HDZ NRW begleiteten wissenschaftlichen Studie überprüft worden ist. Die vielversprechenden Ergebnisse kann Oberarzt Dr. Georg Nölker, Leitender Elektrophysiologe im Herz- und Diabeteszentrum NRW, bestätigen: „Wir sehen für unsere Patienten eine höhere Lebenserwartung bei gleichzeitig weniger notwendigen Krankenhausaufenthalten.“

In vielen Fällen stellt Nölker neben einem deutlich geschwächten Herzmuskel auch erhebliche Störungen der Herzkontraktion fest. Die verschiedenen Abschnitte der Herzkammerwand ziehen sich dabei nicht mehr gleichzeitig zusammen. Als Folge dieser zeitversetzten Pumpleistung nimmt die Schlagkraft des Herzens weiter ab. Dadurch entsteht im Körper ein Mangel an Sauerstoff und Nährstoffen. In solchen Fällen kann eine Resynchronisationstherapie sinnvoll sein. Sie sorgt mit einem speziellen Defibrillator-SM dafür, dass sich die Herzkammerwände wieder synchron zueinander bewegen. Dadurch verbessert sich die Herzfunktion.

Der Defibrillator-SM erkennt darüberhinaus lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen und behandelt sie entsprechend der Programmierung selbstständig. Die 3-Kammer-Defibrillatoren werden im Bereich des Brustmuskels in einem Routine-Eingriff implantiert und über drei Elektroden mit dem Herzen verbunden. Die Elektroden stimulieren den Herz-Vorhof und die Muskulatur der Kammern des Herzens je nach Bedarf automatisch. Das neue System zeichnet dabei nicht nur die elektrischen Signale des Herzens auf, sondern kann auch die Schlagkraft des Herzens kontinuierlich überprüfen und hier bei Bedarf für Unterstützung sorgen. Das geschieht über einen Sensor, der in der Spitze der am Vorhof gelegenen Elektrode angebracht ist. Das Gerät wertet die gemessenen Signale aus und berechnet daraus vollautomatisch die angemessenen Geräteeinstellungen. Auf diese Weise sorgt es sowohl für das optimale Zusammenspiel der Herzkammern, als auch für eine erhöhte Schlagkraft des Herzens. „Als Folge davon sehen wir die mit dem Gerät ausgestatteten Patienten wieder viel leistungsfähiger“, erläutert Nölker. „Auch typische Symptome der Herzinsuffizienz wie Kurzatmigkeit und eingeschränkten Belastbarkeit treten deutlich seltener auf.“

COMPAMED.de; Quelle: Herz- und Diabeteszentrum NRW