Der Energie zu Liebe

Foto: Strommasten

Das Phänomen Supraleitung, also vollkommen verlustfreier Stromtransport, fasziniert seit der Entdeckung der ersten Supraleiter im Jahre 1911 die Fachwelt. In der Vergangenheit musste man jedoch eingestehen, dass ein harter Weg von der Entdeckung des Phänomens bis zum Verständnis und zur technologischen Anwendung dieser Materialklasse zu überwinden ist.

Für Anwendungen in der Energietechnik werden Kilometer lange Drähte und Kabel mit hoher Stromtragfähigkeit benötigt. Doch lassen sich die spröden Keramiken nicht - wie zum Beispiel metallisches Kupfer - durch einfache mechanische Verformung zu langen Drähten ziehen. Zum anderen zeigte sich, dass eine hohe Stromtragfähigkeit der Hochtemperatur-Supraleiter nur in weitgehend einkristallinen Bereichen möglich ist.

Gefragt ist also eine neuartige Technologie, die es erlaubt, kilometerlange einkristalline Drähte herzustellen. Genau dies ist jetzt den Dresdner Physikern Bernhard Holzapfel und Ludwig Schultz vom Leibniz- Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung gelungen. Sie haben die Tücken des spröden Materials Keramik bezwungen und eröffnen durch ihre grundlagen- und anwendungsbezogenen Forschungsarbeiten auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Supraleiter neue Einsatzmöglichkeiten. So machen die Arbeiten der Physiker widerstandsfreie Stromleitungen möglich und erlauben eine umfassende technologische Anwendung im Bereich der Energietechnik. In der Zukunft könnten Stromkabel auf HTSL-Basis zur Entschärfung von Energiekrisen beitragen.

Für ihre langjährige Forschung auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Supraleitung werden Holzapfel und Schultz im November diesen Jahres mit dem Wissenschaftspreis des Stiftverbandes für die Deutsche Wissenschaft in der Kategorie „Gesellschaft braucht Wissenschaft“ geehrt. Mit diesem Preis werden Weg weisende wissenschaftliche Arbeiten gewürdigt, die einen praktischen Nutzen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft oder Forschung erwarten lassen.

COMPAMED.de; Quelle: Leibniz Gemeinschaft