Den Phantomschmerz in die Schranken weisen


Das Gehirn ist doch permanent dazu in der Lage, sich zu verändern oder weiterzuentwickeln, wie Forscher der Friedrich-Schiller-Universität Jena bereits an vielen Beispielen bewiesen haben.

"Phantomschmerz ist bis heute schlecht therapierbar, weil seine Ursachen nicht ausschließlich in der amputierten Extremität zu suchen sind", sagt Prof. Dr. Thomas Weiß vom Institut für Psychologie.

Vielmehr nehmen die Wissenschaftler von der Universität Jena an, dass es erhebliche Umstrukturierungsprozesse in jenen Teilen des Gehirns gibt, die vor der Amputation mit der Verarbeitung von Informationen aus der nun fehlenden Extremität beschäftigt waren. Diese Umstrukturierungsprozesse seien fehladaptiv, sie gehen sozusagen ins Leere. Eine mögliche Folge ist der Phantomschmerz. Um diese Fehlentwicklung wenigstens teilweise rückgängig zu machen, nutzt die Jenaer Forschergruppe herkömmliche Prothesen, bei denen Druckinformationen aus den künstlichen Fingern dem Gehirn gemeldet werden. "Die ersten Untersuchungen in einer Experimentalanordnung erwiesen sich als sehr vielversprechend", sagt Prof. Dr. Wolfgang Miltner, Lehrstuhlinhaber für Biologische und Klinische Psychologie.

Im neuen Projekt soll nun die Experimentalanordnung zu einer funktionstüchtigen Prothese weiterentwickelt werden. "Anfang nächsten Jahres soll die neue Prothese zur Verfügung stehen", sagt Thomas Weiß. Bis dahin werde mit der Experimentalanordnung weitergearbeitet.

Die Forschergruppe kooperiert dabei eng mit der Bernstein-Gruppe "Neuromatrix des Schmerzes", die Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten nationalen Netzwerkes für Computational Neurosciences ist. Dieses Netzwerk wurde 2004 von der Bundesregierung unter der Bezeichnung "Bernstein-Zentren" bzw. "Bernstein-Gruppen" ins Leben gerufen, um deutschlandweit die Forschung auf diesem Gebiet nachhaltig zu fördern und zu bündeln. Der Bernstein-Gruppe der Friedrich-Schiller-Universität gehören Informatiker, Psychologen, Neurologen, Unfallchirurgen, Physiker und Mathematiker an.

COMPAMED.de; Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena