Computertomographie führt zu Überdiagnosen

Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester, Minnesota, USA, haben 1.520 Personen fünf Jahre lang einmal pro Jahr mittels Brust-Computertomographie (CT) und Sputumzytologie untersucht. Dabei entdeckten sie 61 Lungenkarzinome, darunter neun bronchoalveoläre Karzinome, 22 Nicht-bronchoalveoläre Karzinome sowie andere Tumorarten, wie sie jetzt beim Jahreskongress der Radiological Society of North America (RSNA) berichteten.

27 Prozent der untersuchten Lungentumoren verdoppelten ihr Volumen (volume doubling time: VDT) nach mindestens 400 Tagen. Eine so lange VDT entspricht nach anerkannten Kriterien einer Überdiagnose. Interessanterweise betraf dies zu 85 Prozent Tumoren bei Frauen.

Ob diese Definition einer Überdiagnose tatsächlich sinnvoll ist, wollen die Studienleiter nicht bewerten. Sie stellen aber fest, dass dies so ist und fragen nach der Ursache. Möglicherweise, so eine Vermutung, ist die Computertomographie sensibler für feine noduläre Veränderungen als die üblichen Röntgenstrahlen.

Andere Studien zu diesem Thema hatten Überdiagnose-Raten von zwei bis sieben Prozent ergeben. Vor diesem Hintergrund ruft die vorliegende Untersuchung tatsächlich zu weiteren Studien auf. Es muss nämlich geklärt werden, ob das Ergebnis ein methodisches Artefakt ist oder tatsächlich CT-spezifisch ist. In letzterem Falle könnte dies die Bedeutung der Computertomographie für die Diagnose des Lungenkarzinoms schwächen, vor allem bei Frauen.

Die Studie wirft auch andere Fragen auf, die beim RSNA-Kongress tatsächlich gestellt wurden: Die Variabilität der Volumen-Verdopplungszeit war extrem groß und reichte von zehn bis 5.000 Tagen. Welche Bedeutung dies für den Wert der Studie hat, muss noch geklärt werden.

COMPAMED.de; Quelle: RSNA 92nd Scientific Assembly and Annual Meeting Abstract SSK04-01