Chirurgischer Klebstoff

Mit einer UV-Lampe bestrahlt, soll die Verbindung rasch aushärten, so dass schon 30 Sekunden später der Fremdkörper fest im Körper des Patienten sitzt.

Das Forschungsvorhaben des Bremer Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM will zunächst an einem Zahnimplantat aus Titan die Tauglichkeit des Klebstoffs demonstrieren. Zahnimplantate werden bisher ohne Klebstoff im Kieferknochen verankert. Das führt immer wieder dazu, dass zwischen Zahnfleisch und Metall Hohlräume bleiben, durch die Bakterien eindringen und Entzündungen verursachen können. Ein Klebstoff, der das Zahnfleisch fest mit dem Implantat verbindet, wäre eine Barriere gegen die aggressiven Keime.

Deshalb haben sich die Fraunhofer-Experten in der Natur umgeschaut und bei den Miesmuscheln eine patente Lösung gefunden. Die Meeresbewohner sind den Chemikern einen großen Schritt voraus. Im Laufe der Evolution haben sie einen Kleber entwickelt, der nicht nur unter Wasser funktioniert, sondern auch besonders fest und dauerhaft kittet. Miesmuscheln haften an jeder denkbaren Oberfläche, ob an porösem Gestein oder am glatten Schiffsrumpf. Auf Metall sitzen sie besonders fest und lassen sich selbst von Teflon kaum noch entfernen, auf dem sonst kaum etwas hält. Für die starke Verbindung sorgt ein Protein.

IFAM-Chemiker können die entscheidenden Teile der Substanz synthetisch herstellen. Um auch in der Medizin helfen zu können, ist eine weitere Zutat nötig: ein Wachstumsprotein, das sich ebenfalls synthetisch mit der klassischen Technik der Festphasenpeptidsynthese herstellen lässt. Es soll das Wachstum fördern, damit sich das körpereigene Gewebe - in diesem Fall das Zahnfleisch - besonders eng an das Implantat bindet. Als dritte Komponente kommt ein klassisches Polymer als Trägersubstanz hinzu.

In den kommenden zwei Jahren wollen die Forscher die Grundlagen für den praktischen Einsatz schaffen. Es geht darum, einen optimalen Klebstoff herzustellen und dessen Wirksamkeit und Verträglichkeit an Zellkulturen nachzuweisen.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft