COMPAMED SUPPLIERS FORUM: Innovationen und Investitionen

Interview mit Uwe Steinbacher, SHS Gesellschaft für Beteiligungsmanagement mbH

14.11.2016

Viele Unternehmen suchen Investoren, um ihre Produkte auf den Markt zu bringen, und das nicht nur in der Höhle der Löwen: Messen wie MEDICA und COMPAMED sind der ideale Marktplatz, um Ideen und Kapital zusammenzubringen. Doch Vorsicht: In der Medizintechnik steckt hinter Innovationen mehr als nur Geld.

Bild: Uwe Steinbacher bei seinem Vortrag im COMPAMED SUPPLIERS FORUM; Copyright: beta-web/Roth

Uwe Steinbacher bei seinem Vortrag im COMPAMED SUPPLIERS FORUM; © beta-web/Roth

Im COMPAMED SUPPLIERS FORUM konnten Messebesucher am Montag einen Vortrag mit dem Titel "Catching a breath – the way medtech investors enable innovation" zu diesem Thema. Referent Uwe Steinbacher spricht im Interview mit COMPAMED.de über Investitionen in der Medizintechnikbranche.

Herr Steinbacher, wie unterstützen Investoren Innovationen in der Medizintechnikbranche?

Uwe Steinbacher: Innovationen unterstützen wir primär durch finanzielles Engagement, da die Medizintechnik eine sehr kapitalintensive Industrie ist. Die Unternehmen haben bereits einen sehr hohen Konstruktions- und Fertigungsaufwand hinter sich, wenn der erste Prototyp vorliegt. Im Unterschied zu vielen anderen Industrien folgt dann aber ein sehr aufwendiger und langwieriger Zulassungsprozess – mit einem Prototypen geht es gewissermaßen erst richtig los. Die Zulassungsbedingungen für den Erhalt eines CE-Kennzeichens wurden in den letzten Jahren schon erheblich verschärft. Insbesondere bei Geräten der Risikoklassen II und III müssen unter anderem Biokompatibilitätsstudien, Tierversuche und klinische Studien durchgeführt werden. In diesem Stadium sind große Investitionen notwendig.

Neben unserem finanziellen Engagement helfen wir den Portfoliounternehmen mit unserem Netzwerk: Unsere Partner unterstützen dabei, Produkte planen, konstruieren und herstellen zu können. Sie beraten aber auch in Zulassungsfragen. Zudem arbeiten wir mit Krankenversicherungen zusammen, um die Frage der Erstattungsfähigkeit im Gesundheitssystem zu klären. Das ist hier in Deutschland besonders wichtig, denn mit der Regelerstattung der gesetzlichen Krankenkassen erreicht man 90 Prozent aller Versicherten. Drittens kooperieren wir mit führenden Medizinern aus verschiedenen Fachbereichen – "Key Opinion Leader", die wir über Innovationen in der Medizintechnik auf dem Laufenden halten wollen.

Sie haben das Thema Zulassung angesprochen. Sehen Sie in diesem Zusammenhang einen Innovationsstau in der Medizintechnikbranche?

Steinbacher: Von einem Stau würde ich nicht sprechen, denn gerade kleine und mittelständische Unternehmen entwickeln Innovationen in großer Zahl. Aber die Zulassungsverfahren dauern einfach länger als früher – die Produkte kommen also erst später auf den Markt. Deshalb wird die Planung, wie man möglichst geschickt in klinische Studien einsteigt und diese zügig umsetzt, immer wichtiger.

Wo sehen Sie besondere entwicklungsstarke Bereiche in der Medizintechnik, in denen sich Investitionen lohnen?

Steinbacher: Es gibt in der Medizintechnik kaum einen Bereich, der nicht von Innovationen getrieben ist. Nehmen Sie zum Beispiel TNI medical, mit denen zusammen wir uns auf dem COMPAMED SUPPLIERS FORUM präsentieren. Das Unternehmen ist spezialisiert auf die Versorgung von Patienten mit COPD, also mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung. Die Krankheit ist nicht heilbar und die Entwicklung von Geräten und Methoden zur Patientenversorgung und Diagnostik steht noch relativ am Anfang, obwohl sie eine der häufigsten Todesursachen weltweit ist. Die Produkte von TNI helfen mit der Nasal High Flow Therapy bei der Atmung und haben das Potenzial, der neue Therapiestandard bei COPD-Patienten zu werden.

Auch in der Kardiologie und der Neurologie gibt es jede Menge Neuerungen, ebenso bei Implantaten, wenn Sie beispielsweise an individuell angepasste Implantate per 3D-Druck denken. Auch hier sind wir tätig. Wir sehen eigentlich in allen Bereichen der Medizintechnik noch erhebliche Innovationspotenziale, die Unternehmer zusammen mit einem Finanzinvestor heben können.

Und worauf achten Sie als Investor bei Medizintechnikunternehmen?

Steinbacher: Im Vorfeld einer Investition prüfen wir, ob ein neues Produkt die Chance auf eine Zulassung hat und wie groß der Nutzen für den Patienten und das gesamte Gesundheitssystem ist.

Bei technologiebasierten Unternehmen ist es wichtig, ob das Unternehmen Patente hält und proprietäre Verfahren anwendet. Bei anderen Unternehmen, die keine proprietäre Technologie anwenden, prüfen wir, ob sich das Geschäftsmodell auch im größeren Stil umsetzen und skalieren lässt. Aktuell haben wir die Medigroba erworben, ein sogenannter Homecare-Anbieter aus Baden-Württemberg, deren Geschäftsmodell sich sehr gut für weitere Zukäufe und den regionalen Ausbau in Deutschland eignet.

Drittens betrachten wir die Unternehmen ganz individuell: Wie ist das Management-Team aufgestellt, wo liegen die Stärken und die Schwächen? Bei reiferen Unternehmen kann es auch um Themen wie Wachstum oder Nachfolge gehen, bei denen wir einerseits Kapital zur Verfügung stellen, andererseits den Prozess moderieren. Das sind sehr vielschichtige und komplexe Themen, in denen wir uns bewegen.

Foto: Timo Roth; Copyright: B. Frommann

© B. Frommann

Das Interview wurde geführt von Timo Roth.
COMPAMED.de