Bypass-Operation hat keineswegs ausgedient

Seit etwa 2000 gibt es in der gesamten westlichen Welt einen gewissen Rückgang bei den operativen Überbrückungen verengter Gefäßstellen. Denn heute können alternative, weniger invasive Techniken eingesetzt werden, etwa die Ballon-Dilatation (PCI) oder Stents, mit deren Hilfe verengte Herzkranzgefäße ohne Operation geöffnet werden können.

Dennoch gibt es keinen Grund, generell diese Techniken als Mittel erster Wahl einzusetzen und die Methode der Bypass-Operation in Frage zu stellen, betonte Prof. Dr. Arno Krian, Duisburg, bei der 72. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Mannheim. Mit Studien lässt sich nach Krian eine generelle Überlegenheit interventioneller Verfahren gegenüber der Chirurgie nicht belegen, da sie kritisch betrachtet werden müssten: Mehrere Analysen der bisher publizierten Studien zum Stellenwert der interventionellen Gefäßdehnung, die eine Überlegenheit dieser Therapie gegenüber der Chirurgie belegen, erfassen nur drei bis fünf Prozent der Patienten mit KHK, so der Experte. Sie betreffen eher leichtere Formen der Erkrankung.

Demgegenüber zitiert der Experte Studien, die zum Ergebnis kommen, dass die Bypass-Chirurgie der interventionellen Behandlung überlegen sei, bezogen auf Parameter wie die Häufigkeit neuerlicher Interventionen, Lebensqualität und Sterblichkeit. Konkret bedeuten die vorliegenden Daten nach Prof. Krian, dass derzeit eine Gleichwertigkeit der PCI nur für Ein- bis Zweigefäßerkrankungen ohne Verstopfung der Stammgefäße und ohne Beteiligung besonders wichtiger Areale der linken Herzkranzarterie festzustellen ist. Demgegenüber scheine die Koronarchirurgie in der Behandlung von Patienten mit Dreigefäßerkrankung, einer Stammstenose oder Beteiligung der linken Herzkranzarterie hinsichtlich der Prognose überlegen zu sein.

COMPAMED.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie 72. Jahrestagung in Mannheim