Blinden helfen

Netzhautchips können bei einigen Blinden die Funktion der zerstörten Sehzellen übernehmen. "Eine Implantation ist möglich, wenn zwar die lichtempfindlichen Sinneszellen der Netzhaut zerstört, der Sehnerv und die dazugehörigen Hirnregionen jedoch noch intakt sind", erläutert Professor Dr. med. Eberhart Zrenner, ärztlicher Direktor, Forschungsinstitut für Augenheilkunde der Universität Tübingen. Dies ist zum Beispiel bei Patienten mit der erblichen Netzhauterkrankung Retinitis pigmentosa der Fall. Menschen, die an der Krankheit leiden, erblinden meist im mittleren Erwachsenenalter.

Die Arbeitsgruppe um Zrenner hat bislang neun Patienten mit einem Netzhautchip ausgestattet. Dieser ist mit etwa 1 500 Elektroden bestückt und wird direkt unter der Netzhaut eingepflanzt. Ein dünnes, unter der Haut verlaufendes Kabel versorgt ihn mit Strom. "Der Chip ist das einzige Implantat in klinischer Erprobung, bei dem die Bildaufnahme im Auge selbst erfolgt", berichtet Zrenner.

In das Auge einfallendes Licht wandelt der Chip in elektrische Impulse um. Diese stimulieren die noch gesunden Nervenzellen der Netzhaut. Über den Sehnerv gelangen die Signale schließlich zum Gehirn und führen so zu Seheindrücken bei den Betroffenen. "Nach Einsetzen des Chips waren die Patienten in der Lage, alltägliche Objekte wie Teller oder Tassen zu lokalisieren. Zudem konnten sie sich anhand der Lichtquellen im Raum orientieren", erläutert Professor Zrenner die Erfolge der bisher durchgeführten Implantationen.

Neben der Tübinger Arbeitsgruppe um Zrenner arbeiten in Deutschland noch Wissenschaftler der RWTH Aachen und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf an Netzhautimplantaten.

COMPAMED.de; Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft