Bildung schwächt Symptome

Doktor Robert Perneczky, Klinik für Psychiatrie am Klinikum rechts der Isar, erläutert: "Wir wissen, dass zwischen der Hirnschädigung durch eine Alzheimer-Krankheit und den daraus resultierenden Demenz- Symptomen kein enger Zusammenhang besteht. So gibt es sowohl Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Hirnschädigung, die kaum Symptome zeigen, als auch Menschen mit geringer Hirnschädigung und stark ausgeprägten Symptomen." Dieses Phänomen wird mit dem theoretischen Konzept der kognitiven Reservekapazität erklärt. Eine hohe Reservekapazität steht für eine starke individuelle Widerstandsfähigkeit gegen die Symptome der Hirnschädigung, die Reservekapazität ist also als Gegengewicht gegen die Hirnschädigung zu verstehen.

Frühere Studien konnten bereits belegen, dass eine längere Schulbildung mit einer höheren Reservekapazität assoziiert ist. Menschen mit längerer Schulbildung leiden bei einem vergleichbaren Grad der Hirnschädigung unter weniger Symptomen als Menschen mit kürzerer Schulzeit.

Die Hirnschädigung wurde für Untersuchungen dieser Art bisher entweder durch neuropathologische Untersuchungen an verstorbenen Patienten oder aber mit sehr empfindlichen bildgebenden Verfahren am lebenden Menschen gemessen. Perneczky: "In unserer Studie wurde erstmals untersucht, ob Schulbildung auch dann Einfluss auf den Zusammenhang zwischen Hirnschädigung und Symptomen hat, wenn man den Grad der Hirnschädigung als Ausmaß der Hirnvolumenminderung in der Kernspintomographie definiert.“

Die Forschungsergebnisse aufgrund von 270 untersuchten Patienten zeigen erstmals, dass der modifizierende Effekt der Schulbildung robust genug ist, um auch den schädlichen Einfluss einer manifesten Hirnvolumenminderung auf die kognitiven Fähigkeiten abzuschwächen. Weitere Untersuchungen sind geplant, die noch mehr Patienten einschließen und genauere Hirnvolumenmessungen umfassen werden.

COMPAMED.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München