Bessere Anwendungsmöglichkeiten für Laserlicht

31.03.2017

Licht wird unterschiedlich absorbiert, je nachdem, auf welches Material es trifft. Einem internationalen Forschungsteam, darunter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU), ist es gelungen, ein komplexstrukturiertes Hybridmaterial herzustellen, das ein einzigartiges Spektrum an Wellenlängen aufnehmen kann.

Bild: Grün-weiße mikroskopische Aufnahme von stäbchenförmigen Strukturen; Copyright: Yogendra Mishra

In der Sputteringanlage der Technischen Universität Moldau werden Mikrotetrapoden aus Aerographit und Kohlenstoff mit noch kleineren Nanotetrapoden aus Zinkoxid besetzt; ©Yogendra Mishra

Gleichzeitig streut es Licht und wird dadurch besonders interessant für Industrieanwendungen. In der Optoelektronik könnte es einen wichtigen Schritt für Laserlicht als Nachfolger von LEDs bedeuten.

Die in Nature Scientific Reports vorgestellten Ergebnisse sind das Resultat einer breit angelegten internationalen Forschungskooperation mit Mitgliedern aus Deutschland, Moldawien, Dänemark und Australien. "Als Materialwissenschaftler versuchen wir ständig, Nanomaterialien zu entwickeln, die ein möglichst breites Spektrum von Lichtwellen absorbieren können", erklärt Dr. Yogendra Mishra. Er leitet eine unabhängige Untergruppe der Arbeitsgruppe Funktionale Nanomaterialien von Prof. Rainer Adelung am Institut für Materialwissenschaft an der Universität Kiel. Ihre besondere Expertise ist es, vierarmige Zinkoxid-Strukturen, sogenannte Tetrapoden, zu entwickeln. "Jetzt haben wir Tetrapoden auf eine besondere Art und Weise hergestellt, wodurch ein Hybridmaterial aus Kohlenstoff und anorganischem Material entstanden ist. Es kann nicht nur ein einzigartiges Spektrum an Wellenlängen von Ultraviolett bis Infrarot absorbieren, sondern auch Licht streuen", erläutert Mishra. "Durch seine komplexe 3D-Tetrapoden-Architektur wirft unser Material das Licht in sämtliche Richtungen zurück."

Die lichtstreuende Eigenschaft des Hybridmaterials ist eine zentrale Voraussetzung, um Laserlicht für optoelektronische Technologien wie in der Automobilindustrie einzusetzen. "In der modernen Lichttechnologie sollen Produkte so hell wie möglich sein, ohne dabei unnötige Wärme zu erzeugen. So ist es bei herkömmlichen Glühbirnen der Fall, die ja schon fast ins Museum gehören. Die heutigen LEDs sind zwar besser, aber am effizientesten wäre leistungsstarkes, laserbasiertes Licht", so Materialwissenschaftler Mishra. Dass Laserlicht bisher noch nicht umfangreich in der Industrie eingesetzt wird, liegt genau an seiner Leistungsstärke: Trifft es direkt auf das menschliche Auge, kann dies zu gesundheitlichen Schäden führen.

Das internationale Forschungsteam unter Kieler Beteiligung versuchte daher Bauelemente zu entwickeln, die gleichzeitig die Helligkeit von Laserlicht vermindern und dabei seiner hohen Leistungsstärke standhalten. Diesen Effekt hat die komplexe Tetrapoden-Architektur des neuen Hybridmaterials – das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit. Die Kieler Zinkoxidtetrapoden wurden dafür an der Technischen Universität Hamburg-Harburg in Aerographit-Kohlenstoff-Tetrapoden umgewandelt. Auf ihre Oberfläche setzte ein Team der Technischen Universität Moldau mit einer speziellen Sputtering-Anlage winzige Zinkoxid-Nanokristalle – ebenfalls in Tetrapodenform. So entstand das Hybridmaterial mit seiner faszinierenden räumlichen Architektur: Mikrotetrapoden aus Kohlenstoff besetzt mit noch kleineren Nanotetrapoden aus Zinkoxid. Wissenschaftler der Universitäten Kopenhagen und Sydney untersuchten anschließend die Eigenschaften des neu entwickelten Nanomaterials.

"Materialien mit Zinkoxid-Aerographit-Architektur haben eine hohe technologische Bedeutung. Unser Ziel war es, sowohl ein kosteneffizientes Herstellungsverfahren zu entwickeln als auch die einzigartigen Eigenschaften des Materials umfassend zu verstehen", sagt Prof. Ion Tiginyanu, Leiter des National Centre for Materials and Testing an der Technischen Universität Moldau. Seine lichtstreuende Eigenschaft kombiniert mit dem einfachen und kostengünstigen Herstellungsverfahren macht das neue Hybridmaterial zu einem aussichtsreichen Kandidaten für einen breiten Einsatz in optoelektronischen Technologien, ist das Forschungsteam überzeugt.

COMPAMED.de; Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Mehr über die CAU unter: www.uni-kiel.de