Auflagen mit Wirkstoffdepots


Allein in Deutschland müssen jährlich schätzungsweise vier Millionen Patienten mit chronischen Wunden versorgt werden. Die neu entwickelte Wundauflage eröffnet hier neue Behandlungsmöglich-keiten.

Auf Basis der Nanosol-Technik gibt die Auflage die eingebundenen heilungsfördernden Wirkstoffe kontinuierlich ab. Bisher mussten diese stets gesondert, z. B. in Form einer Salbe, auf eine Wunde aufgebracht werden.

Bei der Nanosol modifizierten Wundauflage sind die einzelnen Zellulosefasern von einer anorganischen Matrix aus inertem Siliziumoxid (SiO2) überzogen. In diese sind die Wirksubstanzen eingebunden, die in der feuchten Umgebung einer Wunde kontinuierlich abgeben werden.

Um die Wirkstoffdotierung zu erreichen, modifizierten und optimierten die Wissenschaftler die Seitenketten des SiO2-Grundgerüsts entsprechend der jeweiligen Löse- und Lagereigenschaften der Wirkstoffe. Grundsätzlich nimmt die Sol-Stabilität in Abhängigkeit von der zugesetzten Menge von Wirksubstanzen ab. Im Hinblick auf die geplante großtechnische Produktion ermittelten die Experten deshalb Wirkstoffkonzentrationen, bei denen die Beständigkeit der Nanosol- Ausrüstung über mindestens 10 Tage hinweg gewährleistet ist.

Aufgrund der Vielzahl von Wundtherapeutika und deren chemischen Vielfältigkeit arbeitete das Team von Dr. Dirk Höfer mit Substanzen, die exemplarisch für bestimmte Wirkstoffgruppen zur Wundheilung stehen. Es wurde untersucht, inwieweit sie sich zur Einbindung eignen und somit zu Produkten entwickelt werden können, die in verschiedenen Phasen der Wundheilung und bei verschiedenen Wundtypen Anwendung finden.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes zeigen das enorme Entwicklungspotential für die therapeutische Wundbehandlung mit Hilfe von Textilien. Die großtechnische Umsetzung der an den Hohenstein Instituten entwickelten Techniken ermöglichen die Produktion effizienter und kostengünstiger Therapie-Managementsysteme. Bis zur Zulassung der textilbasierten Wirkstofftherapie als Medizinprodukt sieht Projektleiter Dr. Höfer jedoch noch Optimierungs- und Forschungsbedarf.

COMPAMED.de; Quelle: Hohenstein Institute