Unter 2000 Neugeborenen ist in der Regel eines dabei, dessen Zwerchfell ein Loch aufweist. Ist dieses Loch sehr groß, können sich die Bauchorgane in den Brustkorb ausdehnen. Sie verhindern dann, dass sich die Lunge ordnungsgemäß entfaltet. Für die Säuglinge ist dies ein lebensbedrohlicher Zustand, der durch eine Operation behoben werden muss. Zurzeit schließen Mediziner die Öffnung mit einer teflonartigen Folie. Der Nachteil dabei: Weil die kleinen Patienten wachsen, muss auch die Folie regelmäßig bei weiteren Operationen durch ein größeres Exemplar ersetzt werden. Das zu ändern, ist ein Projekt, an dem Jürgen Groll forscht.

„Wir haben eine Art Vlies entwickelt, das aus extrem dünnen Polymerfäden besteht“, erklärt Groll. Der Trick dabei: Groll und seine Mitarbeiter sind in der Lage, dieses Vlies gezielt mit besonderen Eigenschaften zu versehen. Im Idealfall sorgt das Vlies dann dafür, dass sich auf seiner einen Seite Muskelzellen ansiedeln, die das Zwerchfellloch schließen, und auf der anderen Seite ein Verwachsen mit den Organen in der Bauchhöhle verhindert wird. „Zusätzlich kann man dem Vlies noch Wirkstoffe mitgeben, die beispielsweise die Narbenbildung regulieren und dafür sorgen, dass das neue Gewebe gleichmäßig wächst“, sagt Groll.

Am Ende soll dann ein funktionstüchtiges Zwerchfell stehen, das ausschließlich aus körpereigenen Zellen aufgebaut ist und ganz normal funktioniert. Was auch bedeutet: Es wächst mit. Dem Kind bleiben somit weitere Operationen erspart. Und das Vlies? „Das verschwindet. Die Polymerfäden sind so konstruiert, dass sie nach einer definierten Zeitspanne von alleine abgebaut werden“, sagt Groll.

Ihrer Erforschung widmet sich in Würzburg ein Team von Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Fachbereichen von der Physik über die Chemie bis zu den Lebenswissenschaften.

COMPAMED.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg