Akute myeloische Leukämie

Das Wissenschaftler-Team um Doktor Philipp Greif und Professor Stefan Bohlander in der Klinischen Kooperationsgruppe „Pathogenese der akuten myeloischen Leukämie“ des Helmholtz Zentrums München und der Medizinischen Klinik III der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), hat mithilfe einer Transkriptom-Sequenzierung erstmals systematisch alle aktiven Gene bei akuter myeloischer Leukämie (AML) auf Mutationen untersucht. Dabei fanden sie fünf Leukämie-spezifische Mutationen, darunter auch das bereits bekannte RUNX1-Gen. Erstmalig wurde jedoch auch eine Mutation im TLE4-Gen gefunden. Die beiden von diesen Genen codierten Proteine interagieren miteinander und sind damit mit hoher Wahrscheinlichkeit gemeinsam an der Leukämie-Entstehung beteiligt.

Zur Anwendung der Transkriptom-Sequenzierung für die AML-Diagnostik arbeiteten Greif und Bohlander mit Doktor Tim Strom vom Institut für Humangenetik des Helmholtz Zentrums München zusammen. „Ohne die am Institut für Humangenetik vorhandenen Sequenziergeräte der neuesten Generation und die dazu gehörige Auswertungskompetenz wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen. Wir waren nicht nur etwa zehnmal schneller, sondern auch deutlich kostengünstiger als bei einer Sequenzierung des ganzen Genoms,“ erläutert Greif. „Wenn DNA-Sequenzierung weiterhin immer günstiger wird, hat unsere Methode das Potenzial, die Routine-Diagnostik zu revolutionieren.“

Bohlander ergänzt: „Trotz der großen Datenmengen können wir mittels Hochdurchsatz-Sequenzierung wichtige Informationen für die Diagnose, Prognose und Therapie unserer Patienten gewinnen.“ Greif erläutert den Nutzen, den die Patienten durch die neue Diagnostik haben könnten: „Wir können erstmals bei jedem Patienten die spezifischen genetischen Veränderungen bestimmen. Daraus können wir nicht nur den individuellen Krankheitsverlauf genauer vorhersagen, sondern auch das Ansprechen der Therapie besser überwachen, drohende Rezidive frühzeitig erkennen und Angriffspunkte für eine gezielte Therapie ableiten. So kann personalisierte Medizin funktionieren.“


COMPAMED.de; Quelle: Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt