Abschwächung auf hohem Niveau

Die Zahl der Beschäftigten in der Eisen- und Stahlindustrie wird voraussichtlich leicht sinken. Die Weltstahlproduktion wird 2008 und 2009 wohl etwas schwächer als bisher um 4,5% beziehungsweise 5,3% zunehmen.

Die deutsche Stahlindustrie hat 2007 im zweiten Jahr in Folge hart an ihrer Kapazitätsgrenze produziert. Die Erzeugung von Rohstahl stieg gegenüber dem Vorjahr nochmals um 2,7% auf 48,5 Millionen Tonnen. Dies reichte jedoch nicht aus, um die weitaus höhere Nachfrage der Stahlverarbeiter zu befriedigen. Sie griffen vermehrt auf ausländische Anbieter zurück, so dass die Stahlimporte um 12,1% zunahmen.

Es ist damit zu rechnen, dass die Nachfrage der Stahlverwender nur um 1,5% in diesem und um 2,0% im kommenden Jahr steigen wird, nach mehr als 8% im Jahr 2007. Auch die deutschen Stahlausfuhren dürften in diesem Jahr nur verhalten um 2,2% zunehmen und sich im kommenden Jahr etwas stärker um 4,7% erhöhen. Die Stahleinfuhren dürften weiter merklich mit 8,2% in diesem und 6,8% im nächsten Jahr wachsen.

Unter diesen Annahmen dürfte die deutsche Rohstahlproduktion in diesem Jahr um 2,1% und im kommenden um 1,5% zurückgehen. Damit würde sich zwar die Kapazitätsauslastung der Stahlwerke leicht verringern, bliebe aber im längerfristigen Vergleich immer noch hoch. Trotz hoher Auslastung der Stahlwerke dürfte die Beschäftigung in der Eisen- und Stahlindustrie in diesem und nächstem Jahr leicht, um 0,4% beziehungsweise 0,5%, zurückgehen, nachdem sie im Jahr 2007 erstmals seit der Wiedervereinigung gestiegen war.

Für dieses und das nächste Jahr wird erwartet, dass die weltweite Stahlproduktion um 4,3% auf 1,40 Milliarden Tonnen (2008) bzw. um 5,3% auf 1,47 Milliarden Tonnen (2009) steigen wird. Die künftigen Stahlpreise werden von gegenläufigen Faktoren bestimmt. Für eine weitere Erhöhung spricht, dass die Rohstoffpreise hoch bleiben dürften und die Konzentration unter den Erzproduzenten zunimmt. Zudem schließt insbesondere China mit vielen Ländern langfristige Lieferverträge ab, so dass ein Teil von dessen Stahlproduktion gar nicht auf den Weltmarkt gelangt. Auf mittlere Sicht dürften die Rohstoffpreise aber dadurch gedämpft werden, dass weltweit in neue
Förder- und Verladeanlagen investiert und so das Angebot ausgeweitet wird. Bei der hier erwarteten Produktionsentwicklung bei Stahl dürfte allerdings die Kapazitätsauslastung in vielen Ländern sinken. Dadurch könnten manche Produzenten versuchen, ihre Exporte zu steigern, was zu mehr Wettbewerb auf dem europäischen Stahlmarkt und zu tendenziell sinkenden Preisen führen dürfte.

COMPAMED.de; Quelle: Rheinisch-Westfälisches Institut für Wirtschaftsforschung e.V.