3D-Tumormodell mit Blutkreislauf

Medikamente müssen gründlich getestet werden, bevor der Patient sie schlucken oder der Arzt sie ihm spritzen darf. Die Tests sollen zeigen, welche Wirkung sie erzielen und welche Nebenwirkungen auftreten könnten.

Für Krebsmedikamente könnte künftig ein neues Testsystem – ein 3D-Tumormodell – solche Fragen beantworten. Entwickelt wurde es Jacqueline Michaelis. Sie legte während ihrer Masterthesis am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart die Grundlage dafür und erhielt den 2. Hugo-Geiger-Preis für Life-Sciences.

"Das Einzigartige an diesem Tumormodell ist, dass es einen funktionierenden Blutkreislauf enthält", sagt Michaelis. "Es besteht nicht nur aus Tumorzellen wie herkömmliche Testsysteme, sondern auch aus Endothelzellen, die die Blutgefäße auskleiden. Diese Zellen bilden eine natürliche Barriere zwischen Blutkreislauf und Tumor."

Forscher bräuchten neue Krebsmedikamente zur Prüfung dann nicht mehr direkt auf die Tumorzellen zu geben, sondern könnten sie in den Blutkreislauf des Modells einbringen.

"Damit müssen die Wirkstoffe zunächst die Barriere aus Endothelzellen überwinden, um aus dem Blutkreislauf zum Tumor zu gelangen. Dort erst entfalten sie ihre Wirkung. Mit diesem Modell kommen wir der natürlichen Situation im Körper sehr viel näher als mit den bisherigen Modellen", so die Forscherin. Künftig wäre es sogar denkbar, patienteneigene Zellen des Tumors zu entnehmen und so individualisierte Therapien durchzuführen. Denn jeder Körper reagiert anders auf eine Krebstherapie.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft