3D-Diagnosesystem soll Schmerzen stoppen

Derzeit wird ein Diagnosesystem entwickelt, das in Unternehmen die Bewegungsabläufe von Mitarbeitern auswerten soll, die schwerere Lasten tragen müssen. So sollen ungesunde Bewegungen aufgedeckt und korrigiert werden. „Simultane 3D-Objekt- und Bewegungserkennung zur Analyse von Arbeitstätigkeiten in realen Umgebungen“ heißt das interdisziplinäre Projekt, das Professor Thomas Luhmann in Zusammenarbeit mit Professor Frauke Koppelin leitet und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung über zwei Jahre bis Mitte 2012 mit ca. 240000 Euro gefördert wird.

Überall an den Arbeitsplätzen verrichten Menschen häufig monotone Bewegungen, die für den Rücken dauerhaft auch schädlich sein können. „Eigentlich sollte ein Arbeitsplatz so gestaltet sein, dass Arbeitnehmer bis zum Arbeitsende ihre Tätigkeit ohne Rückenbeschwerden ausüben können“, sagt Psychologe Bernd Müller-Dohm, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Jade Hochschule. „Es geht also um ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze.“

Um ein 3D-Diagnosesystem entwickeln zu können, untersucht Geoinformatikerin Anna Maria Meyer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am IAPG, im Vorfeld die simultane Verfolgung von menschlichen Bewegungen und bewegten Objekten mithilfe eines komplexen Kamerasystems. An den Versuchspersonen werden Marken an bestimmten Körperstellen befestigt und gemessen, sodass ein dreidimensionales Modell erstellt werden kann.

Dazu gibt es eine Kooperation mit Systemherstellern, einer Tischlerei und einem Pflegedienst. „Wir wollen sowohl Tischler als auch Pflegepersonal bei ihren Arbeitsabläufen mit Kameras begleiten und dabei sowohl ihre Bewegungen aufzeichnen als auch mit Hilfe von psychophysischen Instrumenten ihre Herz- und Muskelströme messen“, erklärt die Ingenieurin. „Weiterhin müssen neben den objektiven auch die subjektiven Belastungen der Arbeitstätigkeit erfasst werden“, klärt Müller-Dohm auf.

Mithilfe der Bewegungsdaten kann eine arbeitswissenschaftliche Analyse durchgeführt werden, die zum Beispiel zur Optimierung der Arbeitsabläufe beitragen kann. Ziel ist die Entwicklung einer Software, die alle Bewegungen an Arbeitsplätzen bestmöglich erkennt und in verschiedenen Unternehmen angewendet werden kann, um Arbeitsplätze gesundheitsgerecht und ergonomisch einzurichten. So kann die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter auch gerade angesichts des demografischen Wandels bis zum Ende des Arbeitslebens erhalten bleiben.


COMPAMED.de; Quelle: Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth