„Momentan gibt es viel Bewegung auf dem Markt“


Andrej Grzesiak ist Sprecher dieser Fraunhofer Allianz Rapid Prototyping - einer Plattform für die Kernkompetenzen der neun Institute aus den Bereichen Engineering, Werkstoffe, Technologien und Qualität. COMPAMED.de sprach mit dem Diplom-Ingenieur und Experten über die Potentiale des Verfahrens auf dem Medizintechnikmarkt und Organe, die gedruckt werden.

COMPAMED.de: Herr Grzesiak, eine ganze Allianz verschiedener Fraunhofer Institute hat sich hinter dem Namen Rapid Prototyping zusammen geschlossen. Da muss es sich ja um eine zukunftsweisende Technologie handeln.

Andrej Grzesiak: Das Verfahren wird vor allem im Automobilbereich und zur Produktentwicklung in allen möglichen Unternehmen eingesetzt, um schnell und kostengünstig Prototypen aus dreidimensionalen Datensätzen herzustellen. Aber seit einigen Jahren hat eine Entwicklung eingesetzt, neue Bereiche werden entdeckt. Dazu gehörten auch die Medizintechnik.

Es ist aber wichtig die Begrifflichkeiten zu unterscheiden: Rapid Prototyping ist ein Oberbegriff, der sich etabliert hat, wenn es darum geht Prototypen herzustellen. Es gibt aber auch einen Bereich, wo mit dem prinzipiell selben Verfahren auch Endprodukte hergestellt werden und das nennt sich dann Rapid Manufacturing. Das sind aber nur Begrifflichkeiten, denn bei den Verfahren, die dem Rapid Prototyping und Manufacturing zugrunde liegen, verfolgt man immer dasselbe Prinzip.

COMPAMED.de: Und das wäre?

Grzesiak: Objekte herzustellen, indem sie Schicht für Schicht aufgebaut werden. Zerschneiden Sie mal einen Apfel in dünne Scheiben. Rapid Prototyping wäre, ihn Lage für Lage wieder zusammen zu setzen.

COMPAMED.de: Wie geht das?

Grzesiak: Bei laserschmelzenden Verfahren, die oft in der Medizintechnik eingesetzt werden, wird Pulver schichtweise aufgetragen und gezielt mit einem Laser so geschmolzen und dadurch erhärtet, dass ein Objekt entsteht. Wie das genau aussehen soll, teilt ein 3D-Datensatz aus dem Computer dem Laser mit.

COMPAMED.de: Wie schätzen Sie die Entwicklung von Rapid Prototyping auf dem Medizintechnik-Markt ein?

Grzesiak: Für die Medizintechnik muss man den Markt untergliedern: Da geht es einmal um den Anlagen- und Sonderanlagenbau, für den Modelle und Prototypen hergestellt werden, im Grunde genau dasselbe wie auch in der Automobilindustrie. Zum anderen gibt es einen Bereich, bei dem man schon fast vom Rapid Manufacturing sprechen könnte: Das sind Implantate, die zum Beipiel aus metallischen oder keramischen Pulvern hergestellt werden, aber auch Operations-Hilfsmodelle und Zahnersatz. Ein weiteres kleines Feld erschließt sich für die Prothetik.

COMPAMED.de: Welche Segmente in der Medizin werden besonders vom RP profitieren?

Grzesiak: Der Markt mit Zahnersatz aus Titan und Kobaltchrom entwickelt sich sehr schnell. Mehrere Unternehmen in Deutschland setzen in diesem Bereich schon auf Rapid Prototyping verfahren. Und in der regenerativen Medizin könnte das Organ Printing, bei dem ganze funktionierende Organe mit Rapid Prototyping hergestellt werden sollen, eines Tages sehr rentabel sein. Das ist zwar noch große Zukunftsmusik und es wird sicher nicht in den nächsten zehn Jahren passieren, aber vielleicht ist eine solche Entwicklung nicht mehr ganz so weit entfernt.

COMPAMED.de: Bisher werden die 3D-Daten, die als Vorlage für die Prototypen oder Produkte dienen, mit Computertomographie-Daten generiert. Das hängt aber mit einer relativ großen Strahlenbelastung zusammen. Gibt es Bemühungen, in Zukunft auch auf Magnetresonanztomographie-Daten zurückzugreifen, bei denen keine ionisierende Strahlung erzeugt wird?

Grzesiak: Das ist ein ziemlich diskutiertes Thema. Die erste Wahl ist immer noch das CT. Das liegt aber auch daran, dass zum Beispiel Rapid-Prototyping-Implantate noch nicht richtig in den Krankenhäusern angekommen sind. Da werden noch einige Jahre vergehen, bevor sich diese Verfahren an Akzeptanz gewonnen hat – und dann bekommt die Diskussion CT versus MRT erst richtig Relevanz.

COMPAMED.de: Ist Rapid Prototyping in der Medizin denn dann überhaupt rentabel?

Grzesiak: Das ist es noch nicht wirklich. Vielen Leute ist die Technologie noch nicht geläufig und dann müssen in Zukunft die Produkte, die mit Rapid Prototyping entstehen, auch alle erst klinisch getestet werden und dann müssen sie von Ärzten und Krankenhäusern akzeptiert werden. Momentan gibt es aber viel Bewegung auf dem Markt, seit fünf Jahren beteiligen sich immer mehr Leute an der Diskussion und der Weiterentwicklung der Prozesskette. Heute gelten Hörgeräte und Zahnersatz schon als Standard und in dem Bereich wird heute schon richtig Geld verdient. In Zukunft wird das auch für Implantate und Prothesen gelten und irgendwann auch für das Organ Printing.

Das Interview führte Wiebke Heiss
COMPAMED.de