„Er ist der verlängerte Arm des Chirurgen“

Foto: Rolf Kreienberg

Rolf Kreienberg ist Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm. COMPAMED.de sprach mit dem Gynäkologen über High-Tech-Helfer im OP und Spielekonsolen.

COMPAMED.de: Herr Kreienberg, haben Sie selbst schon mal mit Roboter-Unterstützung operiert?

Rolf Kreienberg: Nein, aber ich habe ein Mal Gelegenheit gehabt, einer Gebärmutteroperation mit Hilfe des Roboters Da Vinci beizuwohnen. Da Vinci ist das älteste und bekannteste Roboteroperationssystem. Es arbeitet mit vier Armen, die mit Mikroinstrumenten bestückt sind.

COMPAMED.de: Wie war diese Erfahrung für Sie?

Kreienberg: Es ist etwas völlig Neues, so weit weg von der Patientin zu arbeiten. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Instrumente extrem beweglich waren. Es gab so viele Möglichkeiten, sie zu lenken. Das geht bei normalen Laparoskopen, also speziellen Endoskopen, nicht. Allerdings vermissen einige Kollegen den direkten Kontakt zum Gewebe. Bei der herkömmlichen Laparoskopie können sie die Instrumente direkt an die Organe führen und merken sofort, wo sie fester und weniger fest arbeiten können.

COMPAMED.de: Am OP-Tisch steht also nicht der Operateur, sondern der Roboter. Wie wird er gesteuert?

Kreienberg: Im Prinzip ist es wie bei einer Spielekonsole. Der Operateur sitzt sozusagen an einem Bildschirmarbeitsplatz. Auf dem Monitor vor sich sieht er eine vergrößerte Ansicht des Operationsfeldes und steuert die Instrumente mit einem Joystick präzise an die richtigen Stellen.

COMPAMED.de: OP-Roboter sind sehr teuer - das Modell Da Vinci kostet rund eine Million Euro. Ist ihr Einsatz trotzdem gerechtfertigt?

Kreienberg: Ob sie einen so hohen Mehrwert haben, dass die enormen Kosten gerechtfertigt sind, muss noch untersucht werden.

COMPAMED.de: Sind sie also bloß technisches Spielzeug?

Kreienberg: Nein, das sind sie nicht, denn sie bieten gegenüber der herkömmlichen Laparoskopie einige Vorteile. Zu denen gehört nicht nur die Beweglichkeit der Instrumente, sondern auch die Möglichkeit, das Operationsfeld auf dem Monitor dreidimensional betrachten zu können.

COMPAMED.de: Wer entscheidet über den Erfolg der OP – der Roboter oder der Chirurg?

Kreienberg: Auf jeden Fall der Chirurg. Er allein steuert den Eingriff. Und wenn eine Notsituation eintritt, zum Beispiel eine Blutung im Bauchraum, muss er in der Lage sein, sofort umzuschalten und die OP auf konventionelle Art zu Ende zu führen.

COMPAMED.de: Viele Patienten haben sicher Vorbehalte, sich von einem Roboter operieren zu lassen.

Kreienberg: Vermutlich ja. Man muss ihnen einfach klar machen, dass sie eben nicht von einer Maschine operiert werden, sondern von einem Chirurg. Ob der Operateur direkt an ihrem Bauch steht oder drei Meter weg, das macht keinen Unterschied. Der Roboter ist bloß der verlängerte Arm des Chirurgen.

COMPAMED.de: Es gibt nur wenige Kliniken in Deutschland, die mit einem OP-Roboter arbeiten. Wann würden Sie die Anschaffung auch an Ihrer Klinik befürworten?

Kreienberg: Erst nach Abschluss umfangreicher Studien, in denen ein und derselbe Eingriff mit und ohne Roboterunterstützung durchgeführt und anschließend verglichen werden müsste. Wenn diese Untersuchungen zeigen, dass sich bei einigen OPs mit Robotern tatsächlich bessere Ergebnisse erzielen lassen, würde ich den Kauf bejahen.

Das Interview führte Sonja Endres.
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